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Norddeutsche Neueste Nachrichten

24. November 2017 | 12:30 Uhr

Kutter marode: Taucher vor ungewisser Zukunft

vom

svz.de von
erstellt am 16.Jul.2013 | 09:58 Uhr

Rostock | 30 Jahre lang hat die "Gadus" der Uni Rostock als Forschungskutter treue Dienste erwiesen. Generationen von Studenten und Wissenschaftlern realisierten auf dem Kutter Projekte und durchliefen ihre Ausbildung zum Forschungstaucher. Am Freitag wird die "Gadus" außer Dienst gestellt. Wie es danach mit der Forschungsarbeit auf dem Meer weitergeht, ist unklar. "Wir sind bemüht, die ,Gadus’ durch ein neues Forschungsschiff zu ersetzen", sagt Dr. Ulrich Vetter, Sprecher der Universität Rostock. Die schwierige Finanzlage lasse derzeit jedoch keine genauen Aussagen darüber zu, ob und wann es ein neues Schiff gibt.

Thomas Sandig ist seit einem Jahr Schiffsführer auf dem Kutter und versteht nicht, dass sich die Universitätsleitung nicht früher um Ersatz bemüht hat. Für Sandig hat das bittere Folgen: Er und sein Kollege sind ab August arbeitslos. Noch mehr ärgert ihn jedoch, dass die Uni ihrem eigenen Leitsatz "Tradito et Innovatio" nicht gerecht wird. "Die Forschungstaucherausbildung hat in Rostock Tradition und nun steht sie vor dem Aus, weil nicht in Innovationen investiert wird", so der Schiffsführer.

Der alte Kutter hätte Sandig zufolge noch einige Jahre mehr durchhalten können, wäre rechtzeitig in ihn investiert worden. "Es hat einen regelrechten Reparaturrückstau gegeben, der schon im vergangenen Jahr fast zur Betriebseinstellung führte", so Sandig. Damals sei es allein Dr. Gerd Niedzwiedz zu verdanken gewesen, dass ein letzter Tauchkurs auf der "Gadus" stattfinden konnte. Nach einer Notreparatur bekam das Schiff von der Zulassungsbehörde See-Berufsgenossenschaft eine einjährige Gnadenfrist. "Es war der beste und schönste Tauchlehrgang, den ich miterlebt habe", so Sandig. Alle Kurs-Teilnehmer haben bestanden.

Der nächste Lehrgang würde theoretisch im September beginnen. "Im schlimmsten Fall müssten wir in diesem Jahr aussetzen", sagt Niedzwiedz. In der Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät wurde in den vergangenen Monaten hin und her überlegt, wie ein neues Forschungsschiff zu finanzieren ist. Alle Institute der Fakultät zeigten sich dazu bereit, zu Gunsten eines Schiffsneubaus auf andere Finanzierungsanträge zu verzichten. "Von dem Geld könnten wir uns bestenfalls ein gebrauchtes Schiff kaufen", so Niedzwiedz. Es wäre jedoch unklar, ob es dann den Anforderungen der zulassenden Behörde genügt. Sandig machte darum den Vorschlag, einen eigenen Aluminium-Katamaran zu entwerfen, der auf die Bedürfnisse der Uni Rostock zugeschnitten ist. "Ein Vorab-Angebot beziffert die Kosten dafür auf 600 000 Euro", sagt Niedzwiedz. Langfristig betrachtet sei das eine lohnenswerte Investition, denn fünf Fakultäten der Uni Rostock bearbeiten derzeit Projekte, für die ein Forschungsschiff notwendig ist. "Das Land wollte von uns nun eine Aufstellung, an wie vielen Tagen im Jahr wir auf die Ostsee hinausfahren", so Niedzwiedz. Das macht ihm Hoffnung, dass nun die Landesregierung einschreitet und Geld bereitstellt.

Morgen um 18 Uhr wird die "Gadus" an ihrem Liegeplatz im Haedgehafen verabschiedet, bevor sie Anfang der nächsten Woche ihre Reise als Privatboot antritt - vermutlich geht es dann nach Greifswald.

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