Kurtaxe belastet die Urlaubskasse

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Wer an der Ostsee Urlaub machen will, der muss Kurtaxe berappen. Archiv

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06. Juni 2012, 09:57 Uhr

Ostseeküste | Auf die zwei Wochen an der Ostsee hat sich Familie Klein lange gefreut. Das Hotel ist gebucht, das Gepäck im Auto verstaut und schon geht es gen Norden, dem verdienten Urlaub entgegen. Bei der Anmeldung in ihrer Unterkunft in Zingst zahlen sie direkt die anfallende Kurtaxe.

Für Mutter und Vater bedeutet das jeweils 2,80 Euro am Tag. Ihre 13-jährige Tochter ist davon noch befreit. Das trifft jedoch nicht auf den 17-jährigen Sohn und Familienhund Max zu. Für den Sohn wird eine Kurtaxe von 1,40 Euro pro Übernachtung erhoben, Max zahlt täglich einen Euro. Für zwei Wochen sind damit insgesamt 104 Euro fällig. Da hat Familie Klein den Strand noch nicht einmal gesehen.

Auch an anderen Orten der Ostseeküste schlägt die Kurtaxe ordentlich zu Buche. So würde die Familie in Heringsdorf und Boltenhagen 81,90 Euro zahlen, in Binz 74,10 Euro. Bedeutend niedriger würde die Kurtaxe für die vierköpfige Familie samt Vierbeiner auf der Insel Poel mit 52 Euro, auf Hiddensee mit 39 Euro oder in Sassnitz mit lediglich 26 Euro ausfallen.

Unterm Strich hat Zingst den wohl höchsten Urlauber-Obolus an der Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommern. Zwar werden Kinder dort jetzt etwas entlastet - bislang mussten sie schon mit sieben Jahren zahlen, seit diesem Jahr nun erst mit 16 Jahren. Doch leisten kann sich die Gemeinde diesen Vorteil für die Jüngeren wohl nur, weil sie die Preise für Erwachsene deutlich angehoben hat. 2011 betrug die Kurtaxe noch zwei Euro und damit immerhin 80 Cent weniger als in diesem Jahr.

Bevor die Satzung zur Kurabgabe verändert wurde, habe es in der Gemeinde langwierige Diskussionen gegeben, erläutert Stefanie Nowicki, die bei der Zingster Kurverwaltung für die Kurtaxe zuständig ist. Doch für das Geld werde eben viel geboten, zudem gilt die Kurkarte überall auf Fischland-Darß-Zingst. Und: "Mit der Kurtaxe können wir die Kosten nicht decken", sagt Nowicki. Eine Aussage, die auch Mitarbeiter anderer Kurverwaltungen an der Ostsee bestätigen.

Zum Kurkarten-Angebot gehören in Zingst beispielsweise die kostenfreie Nutzung der Bibliothek oder Ermäßigungen bei Veranstaltungen. Die Kurtaxe im Ostseebad würde die Gemeinde ausschließlich für touristische Leistungen nutzen, zum Beispiel die Strand- und Hafenpflege sowie die Instandhaltung der Grünanlagen und Spielplätze. Auch die Überwachung der einzelnen Strandabschnitte durch Rettungsschwimmer werde mit der Kurtaxe unterstützt. Außerdem können die Gäste von der Unterhaltung und Erweiterung des Rad- und Wandernetzes profitieren. Nicht zu vergessen sei die Abfallentsorgung am Strand sowie die Reinigung der öffentlichen Toiletten.

Zur Kasse bittet Zingst ab dieser Saison übrigens auch die Hundebesitzer: Einen Euro Aufenthaltsgebühr zahlen die für ihre Vierbeiner. Der Grund: Zuletzt seien deutlich mehr Urlauber mit ihren Hunden angereist und die verursachten Extrakosten, so Stefanie Nowicki.

2009 hatte Binz auf Rügen die Kurkarte für Hunde in Höhe von 50 Cent eingeführt. Auch in Göhren kostet der Vierbeiner 50 Cent, in Thiessow muss für den Hund ein Euro gezahlt werden.

Dass Familie Klein ganze 65 Euro sparen würde, wenn sie ihren Urlaub auf Hiddensee verbringt, liegt daran, dass die Inselgemeinde Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre jetzt von der Abgabepflicht befreit hat. "Kinder sind die Urlauber von morgen", begründet Malte Schluck von der Kurverwaltung die Entscheidung.

Ordentlich zur Kasse gebeten werden in den drei Kaiserbädern Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin die Tagesgäste. Während für sie andernorts häufig der reguläre Kurkartentarif für Übernachtungsgäste gilt, zahlt der Tagesbesucher in den drei Usedomer Orten 3 Euro pro Tag, und damit 50 Cent mehr als der Übernachtungsgast.

Für Sabine Tzschirch, im Eigenbetrieb Kaiserbäder unter anderem zuständig für die Kurabgabe, liegt der Grund dafür darin, dass Tagesgäste das Umfeld - von der Toilette bis zum Mülleimer - auch intensiver nutzten. Zudem sollte der Preisunterschied Anreiz für die Nicht-Zahler sein, vor Ort zu übernachten.

Vor allem in der Hauptsaison wird stichprobenartig überprüft, ob die Besucher ihre Gebühr bezahlt haben. So patrouillieren zum Beispiel am Strand von Zinnowitz täglich zwei bis drei Kontrolleure. Im vergangenen Jahr erwischten die etwa ein Prozent der Gäste ohne Kurkarte. Mehrheitlich seien das Tagesgäste vermutet die Zinnowitzer Kurdirektorin Monika Schillinger.

Kritik an den hohen Kurabgaben übt der ADAC, denn Deutschland steht mit diesem Kostenfaktor im Vergleich mit anderen europäischen Urlaubsländern einsam an der Spitze.

"Wenn Kommunen zu hohe Kurtaxen verlangen, deren Sinn Urlauber nicht verstehen, wandern sie in andere Länder ab", warnt ADAC-Vizepräsident für Tourismus Max Stich. Er appelliert an die Gemeinden, die Höhe der Gebühren zu prüfen, denn nicht alle Urlaubsgäste wollen die mit der Kurtaxe verbundenen Leistungen auch nutzen.

Mehr Transparenz über die Verwendung der Gebühren fordert auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) in MV. "Wir bemängeln unter anderem die unterschiedlichen Hebesätze", sagt Pressesprecher Uwe Barsewitz. "Jeder Ort kann die Höhe der Kurtaxe selbst bestimmen, was es für die Urlauber sehr unübersichtlich macht."

Zudem wisse man nicht genau, was mit dem Geld passiert. "Einige Orte versuchen damit auch Löcher im Haushalt zu stopfen, dabei darf die Kurtaxe nur zweckgebunden eingesetzt werden."

Der Behauptung, die Gemeinde bereichere sich an den Urlaubern, widerspricht Sigrid Schlieter vehement. "Der Gast bekommt jeden Euro zurück", sagt die stellvertretende Kurdirektorin von Karlshagen. Dabei schieße die Gemeinde jedes Jahr sogar noch finanzielle Mittel dazu, um die Kosten zu decken.

Denn während die Urlauber in einem regnerischen Sommer auch mal wegblieben, liefen Kosten zu Betrieb, Instandhaltung und Reparatur schließlich weiter.

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