Rostock : Kümmritz will volles Volkstheater

Zum 1. August hat offiziell der Vertrag für Joachim Kümmritz als Geschäftsführer des Hauses begonnen. Sein Stellvertreter soll der neue Schauspieldirektor Ralph Reichel sein.
Zum 1. August hat offiziell der Vertrag für Joachim Kümmritz als Geschäftsführer des Hauses begonnen. Sein Stellvertreter soll der neue Schauspieldirektor Ralph Reichel sein.

Niederdeutsches Lustspiel, das Ex-Intendant Latchinian plante, weicht beim Nachfolger einem Ausflug nach Paris mit Operettenmelodien

svz.de von
03. August 2016, 08:00 Uhr

Der neue Geschäftsführer des Volkstheaters Rostock, Joachim Kümmritz, setzt auf ein volles Haus. Er will beschwingt in die neue Spielzeit 2016/17 starten mit „Paris, Paris“, Operetten- Melodien des Komponisten Jaques Offenbach. „Eine leichte Inszenierung – konzertant durch Paris“, sagt Kümmritz. Nach alter Planung sollte das niederdeutsche Lustspiel „Oma ward verköfft“ von Franz Streicher die Saison eröffnen. Doch dies sei zu speziell für ein großes Publikum, meint Kümmritz und plant um.

Zudem stellte er fest: „Vor mir wurde weniger Wert auf den Großen Saal als Spielstätte gelegt. Ich werde das aber tun, denn wenn ich ein volles Theater will, muss ich auch den größten Raum bespielen.“ Den „Krieg zwischen allen Beteiligten“ um das Volkstheater wolle er ganz dringend beenden, hatte Kümmritz vor einigen Wochen gesagt. In den vergangenen Tagen habe er gute Gespräche mit den Mitarbeitern geführt. „Die Kollegen sprechen von einem Scherbenhaufen, der da vor ihnen liegt. Den will ich jetzt zusammenkleben.“ Große Sorgen mache ihm, dass „überall jemand fehle“. „Da gibt’s niemanden für die Pressearbeit, keinen Musikdramaturgen, vor allem brauche ich dringend einen Leiter künstlerisches Betriebsbüro für die Tagesplanung!“ Zudem gebe es aktuell nur acht Schauspieler und das Geschlechterverhältnis für die Rollen sei unausgeglichen. Aber er habe zu den neuen Kollegen gesagt: „Weinen wollen wir nicht, sondern nach vorne schauen!“ So liege nun ein Spielplan vor, der viele Wiederaufnahmen habe, aber auch ein paar Premieren. Mehr sei „nicht leistbar in den drei, vier Wochen Planungszeit“. Einige Stücke, die bereits unter seinem Vorgänger Sewan Latchinian geplant waren, kämen in der ersten Spielzeithälfte ins Programm: Das Schauspiel „Spur der Steine“ nach dem gleichnamigen Roman von Erik Neutsch (1964) als Neuinszenierung. Außerdem sollen „Der Messias“ sowie als Weihnachtsmärchen „Des Kaisers neue Kleider“ gezeigt werden. Das „Feuerherz“ mit der Punkband Feine Sahne Fischfilet, mit dem Latchinian mehr junges Publikum anziehen wollte, werde ebenso wiederaufgenommen wie die Oper „Die Entführung aus dem Serail“.

Kümmritz übernimmt nach monatelangem Streit zwischen Bürgerschaft und Intendant Latchinian die Leitung des Volkstheaters. Dass er ein Händchen für ein gut laufendes Haus hat, beweist er als Intendant der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz seit 2014. Die legte gerade die Besucherzahlen der Spielzeit 2015/16 vor. Danach kamen mit 120 000 mehr Menschen ins Theater Neustrelitz als ins Volkstheater. Kümmritz tritt dafür ein, in der größten Stadt des Landes „vernünftiges Mehrspartentheater“ zu machen. Die Rostocker Stadtpolitik wollte das Theater von vier auf zwei Sparten reduzieren.

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