Kritik an "Büchner"-Konkursverfahren

Foto: Georg Scharnweber
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03. Mai 2013, 08:08 Uhr

Rostock | Bei ihren Bemühungen um das denkmalgeschützte Schiff aus dem Rostocker Stadthafen drücken die belgischen Interessenten jetzt auf die Tube: Sie wollen die "Georg Büchner", die 1950 als "Charlesville" in Antwerpen vom Stapel lief, noch in diesem Monat für einen Euro kaufen und bis zum 30. Juni zurück nach Belgien holen.

Parallel setzen sie auf Unterstützung der Öffentlichkeit: Mit einem im Internet veröffentlichten Film wollen sie in einer Woche 100 000 Sympathiebekundungen sammeln - um Denkmalbehörden und Insolvenzverwalter zu beweisen, dass es in Belgien und Deutschland Begeisterung für ihr Projekt gibt. Der Film zeigt historische Aufnahmen aus der Zeit, in der die "Charlesville" auf der Route Belgien-Kongo fuhr, Bilder ihres aktuellen, maroden Zustands sowie Grafiken für die zukünftig geplante Nutzung im Museumshafen von Antwerpen. "Die Stadt bereitet eine Umfunktionierung und Wiederentwicklung der Trockendockinsel vor. Dock 1 liegt besonders gut, ist nicht mehr in Gebrauch und steht ebenfalls unter Denkmalschutz. Es ist darum der perfekte Standort", erläutert Tom de Wilde, Vorsitzender des Vereins Red de Charlesville, der von der Dachorganisation Watererfgoed Vlaanderen unterstützt wird. Die belgischen Schiffsliebhaber appellieren deshalb an die deutschen Denkmalbehörden: "Sie müssen die geplante Verschrottung verhindern und den Konkursverwalter auf seine Verantwortung hinweisen, das denkmalgeschützte Schiff instand zu halten, was nur möglich ist, wenn uns das Schiff übertragen wird", so de Wilde.

Der Insolvenzverwalter des ehemaligen Betreibervereins der "Büchner", Tobias Schulze, hatte das Übernahmekonzept für unzureichend erklärt - nur einen Tag, nachdem die Belgier es vorgelegt hatten. Anschließend stellte er einen Antrag auf Aufhebung des Denkmalstatus, um das Schiff an einen Schrotthändler verkaufen zu können. Der steht schon in den Startlöchern: Die Argent Ventures Limited mit Sitz auf den Seychellen bietet für das Schiff 900 000 Euro, um es in Litauen abzuwracken. Sowohl Verschrottungsantrag als auch Übernahmekonzept liegen nun den Denkmalschutzbehörden der Stadt und des Landes vor, die sich aber noch nicht abschließend positioniert haben.

Unterdessen mehren sich die Zweifel am Insolvenzverfahren. "Bei einer Versammlung am 20. April im Rathaus von Rostock wurde deutlich, dass der Konkursverwalter mehr an der Verschrottung als an der Rettung des Schiffs interessiert war. Zum Erstaunen der anderen Parteien verband er plötzlich zusätzliche Bedingungen mit dem Verkauf und teilte obendrein mit, dass er nur eine Woche Zeit gibt, um das Schiff zu kaufen", sagt de Wilde.

Die Rostocker Kommunalpolitikerin Dr. Sybille Bachmann (Rostocker Bund) weist darauf hin, dass in einem parallelen Fall, bei der Pleite des "Undine"-Betreibervereins, das Insolvenzverfahren wegen des Denkmalschutzes gar nicht eröffnet wurde. Bei der "Büchner" habe erst das Insolvenzverfahren die Chance eröffnet, teilweise unerfüllbare Forderungen zu stellen und mit dem Schiff Geld zu machen.

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