Rostock : Kriminaloper zur Eröffnung des Sommertheaters

Anna-Maria Klesidis als Elvira und James J. Kee als Puccini
Anna-Maria Klesidis als Elvira und James J. Kee als Puccini

von
11. Juni 2017, 21:00 Uhr

Mit der Uraufführung der Kriminaloper „La Signora Doria“ ist das Volkstheater Rostock in die Sommertheater-Saison gestartet. Etwa 700 Zuschauer erlebten die zweieinhalbstündige Inszenierung.

Es ist ein alter Kriminalfall, der die Kommissarin Sigrid Hansen, gespielt von der DEFA-Filmlegende Renate Krößner, nicht loslässt: Was hat es mit dem Freitod des Dienstmädchens Doria auf sich, das im Hause des italienischen Komponisten Giacomo Puccini angestellt war? Warum war sie unter den Verdacht geraten, dessen Geliebte zu sein? Puccini, dem Schöpfer so berühmter Opern wie „La Boheme“, „Madame Butterfly“ und „Tosca“ wurden zahlreiche Affären nachgesagt, auch eine extrem eifersüchtige Ehefrau, die wegen übler Nachrede angeklagt fast im Gefängnis landete und nur durch die Zahlung einer hohen Geldsumme dieser Strafe entgehen konnte.

Im Stück geht Kommissarin Hansen auf Spurensuche. Immer tiefer taucht sie in die Geschichte ein, immer mehr wird sie Teil davon. Eine der bewegendsten Szenen ist, wenn Doria ihre Schürze abstreift und ihr schwarzes Dienstkleid zum Kimono wird. Mit der Sterbearie der Cio-Cio San schluckt sie das Gift.

Die in Rostock lebende Sopranistin Jamila Raimbekowa ist als Dienstmädchen Doria zu erleben. Ihre einfühlsamen Arien der Mimi und Cio-Cio San verursachen Gänsehaut. Überhaupt ist es ein Abend der Opernsolisten mit den bekanntesten Puccini-Arien, vom Publikum wird das immer wieder honoriert. Zwischen ihnen ist eine agile Kommissarin unterwegs. Die mittlerweile 72-jährige Renate Krößner, die für ihre Rolle als „Solo Sunny“ 1980 den Silbernen Bären bekam, strotzt vor Vitalität und Spiellust.

Noch neunmal wird sie bis Ende Juli in der stillgelegten Werfthalle 207 der ehemaligen Neptun-Werft ermitteln. Die Halle wurde nach vierjähriger Pause wieder für das Sommertheater eingerichtet. Bis zu 750 Besucher finden hier Platz.

Intendant Joachim Kümmritz, hat die wetterfeste Variante für den Sommer gewählt. Der norddeutsche Sommer kann ihm so nicht gefährlich werden, stimmte er gut gelaunt das Publikum ein. Neben Sommertheater im Trockenen und dem maroden Industriecharme besticht die Halle vor allem durch ihre hervorragende Akustik. Die Musiker der Norddeutschen Philharmonie unter der Leitung von Manfred Hermann Lehner und das Opernensemble sind ein besonderes Klangerlebnis.

Die nächste Premiere gibt es schon am 17. Juni mit der Tanzcompagnie und dem Stück „Rock'n'Rostock“. Musikalisch geht es dann mit Musik von den Rolling Stones über ACDC bis Queen. Auch Theater für Kinder wird es geben. Der Kinderbuch-Klassiker „Moby Dick“ von Herman Melville ist ab dem 25. Juni zu erleben. Insgesamt plant das Volkstheater in diesem Sommer 47 Vorstellungen in der Halle 207.

Gabriele Struck

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen