Rostocker zeigt eisernen Lebenswillen : Krebspatient kämpft um Spitzenbehandlung

<strong>Sie wollen nicht aufgeben:</strong> Seit mehr als einem Jahr hat Hans-Dieter Juraschek die Diagnose Lungenkrebs. Von einer Behandlung im Cyberknife-Zentrum in Güstrow versprechen er und seine Frau Irene sich Hilfe. Doch die Krankenkasse übernimmt die Kosten nicht. <foto>Foto: Georg Scharnweber</foto>
Sie wollen nicht aufgeben: Seit mehr als einem Jahr hat Hans-Dieter Juraschek die Diagnose Lungenkrebs. Von einer Behandlung im Cyberknife-Zentrum in Güstrow versprechen er und seine Frau Irene sich Hilfe. Doch die Krankenkasse übernimmt die Kosten nicht. Foto: Georg Scharnweber

Seit einem Jahr ist Hans-Dieter Juraschek in Behandlung. Doch nichts hilft bei ihm gegen den Lungenkrebs. Eine Cyberknife-Therapie in Güstrow ist erfolgversprechend, doch für die Krankenkasse zu unkonventionell.

svz.de von
06. Juli 2012, 12:24 Uhr

Rostock | Die Hände in den Seiten und ein breites Lächeln auf dem Gesicht - Hans-Dieter Juraschek strahlt Lebensfreude aus. Was ihm nicht anzusehen ist: Er ist schwer krank. Vor einem Jahr bekam er die Diagnose kleinzelliges Bronchialkarzinom. Lungenkrebs. Seitdem kämpfen er und seine Frau Irene nicht nur gegen den Krebs, sondern auch gegen bürokratische Hürden.

Das Cyberknife-Zentrum in Güstrow war ihre große Hoffnung. Es bietet eine Präzisionsbestrahlung an, die deutlich kürzere und effektivere Bestrahlungen verspricht. "Da gehen sie direkt in den Krebs rein und sonst arbeiten sie drum herum", erklärt der 71-Jährige. Er hat schon von großen Erfolgen bei Bekannten gehört.

Papierkrieg mit der Versicherung

Im Mai dieses Jahres hat das Ehepaar einen Antrag zur Kostenübernahme bei seiner Krankenkasse, der IKK Nord, gestellt. Doch die stellt sich quer, hat ein Gutachten anfertigen lassen und dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) weitergeleitet. Das Resultat: eine Absage. Es sei "eine unkonventionelle Untersuchungs- und Behandlungsmethode", heißt es in einer Kurzinformation des Gutachters.

So unkonventionell scheint den Jurascheks die Präzisionsbestrahlung aber nicht zu sein. Am Mittwoch hat das Zentrum Verträge mit Abu Dhabi unterschrieben. Dort soll ein neues Cyberknife-Zentrum zur Tumortherapie eröffnen. Die gute Technik aus MV wird exportiert. Internationale Patienten reisen nach Güstrow, um sich hier behandeln zu lassen - und Juraschek will ebenfalls nicht darauf verzichten. "Die Behandlungsform ist noch keine Standardleistung der Krankenkassen", sagt Angelika Stahl von der IKK Nord. Gleichwertige Therapien stünden aber zur Verfügung. Nur in Einzelfällen übernehme die IKK Nord die Kosten für die Cyberknife-Technologie. Doch die Nachfrage steigt. "Wir beabsichtigen, eine generelle Lösung zu finden", sagt Stahl. Ein Hoffnungsschimmer für die Jurascheks.

Im April 2011 ging Hans-Dieter Juraschek wegen einer lange andauernden Erkältung zu seiner Ärztin: Röntgen, Computertomografie (CT). Der Verdacht erhärtete sich und wurde schließlich Gewissheit: Lungenkrebs. Die monatelange Chemo-Therapie brachte keinen Fortschritt. Im Herbst war er drei Wochen zur Bestrahlung in der Südstadtklinik und hatte dann wieder Chemo von Januar bis März dieses Jahres. Doch statt der erhofften Verbesserung stellten die Ärzte Metastasen an einer dritten Stelle fest. 13 Kilo hatte der Meister für Sanitär- und Heizungstechnik abgenommen, Schluckbeschwerden, kaum Appetit und Haarausfall. Dass dann auch noch ein Freund und eine Cousine an Krebs starben, riss den 71-Jährigen runter.

Daraufhin holte er eine Zweitmeinung ein und fand ein offenes Ohr in Güstrow. Auch die behandelnde Onkologin riet zu der neuen Therapie. Als Jurascheks dafür die Absage von der Krankenkasse bekamen, legten sie Widerspruch ein. Jetzt überbrückt Hans-Dieter Juraschek die Zeit mit Bestrahlungen, der Widerspruch bleibt bestehen. "Sonst müsste ich alles wieder neu beantragen und ich habe nicht so viel Zeit", sagt er. 57 Jahre lang habe er hart gearbeitet. Jetzt will er kein Patient zweiter Klasse sein. "Ich lass mich nicht unterkriegen, aber es kommen Momente, in denen man mit sich und der Welt hadert", sagt er.

Neue Technologie in Güstrow:
Prof. John R. Adler, Neurochirurg aus Kalifornien, erfand das Cyberknife 1987. Er suchte eine alternative Methode für die Strahlenchirurgie. Das Cyberknife-Zentrum in der Friedrich-Trendelenburg-Allee 2 in Güstrow wurde 2010 gebaut. Mit der Cyberknife-Technik können Tumore und ihre Metastasen präzise bis in den Nanometer-Bereich bestrahlt werden. Die Behandlungszeit ist kürzer als sonst üblich, gilt als effektiver, auch laut dem Vorsitzenden des Kuratoriums Gesundheitswirtschaft MV, Prof. Horst Klinkmann. Bei der Robotergestützten Radiochirurgie, dem Cyberknife, werden nur eine bis fünf Behandlungen veranschlagt. Neben einem Miniatur-Linearbeschleuniger und der neuartigen Robotersteuerung ist am Zentrum auch die neueste Bestrahlungsplanung der Uni zu Lübeck. Weltweit gibt es mehr als 220 Cyberknife-Installationen und mehr als 100 000 behandelte Patienten.

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