zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

17. November 2017 | 20:34 Uhr

Kranriesen für Einsatz auf dem Meer

vom

svz.de von
erstellt am 03.Jun.2010 | 08:01 Uhr

Rostock | Auf dem Pier III des Rostocker Seehafens hat die neue Stahlbauhalle für das Liebherr-Kranwerk Gestalt angenommen. 750 Meter lang und 80 Meter breit erstreckt sich der Bau zwischen Schüttgutterminal und Ölmühle der Getreide AG und erweitert die Produktionskapazitäten des Werkes um 60 000 Quadratmeter. Es ist die inzwischen vierte Halle, die hier derzeit entsteht.

Liebherr hat insgesamt 190 Millionen Euro am Standort investiert, 55 Millionen davon jetzt für die neue Halle, wie Werkleiter Thomas Müller (42) verdeutlicht. Und das in einer Zeit, in der auch der Kranhersteller die Auswirkungen der Krise zu spüren bekam. Die Liebherr MCCtec Rostock GmbH musste Kurzarbeit anmelden und sich von Leihkräften zwischenzeitlich trennen. Mit den brachliegenden Schiffbaukapazitäten sank der Bedarf an Schiffskränen und auch nur 54 Hafenmobilkräne konnten im vergangenen Jahr verkauft werden. Das Rostocker Werk, das schon im Dreier- und Vierer-Takt gearbeitet hatte, drosselte seine Leistung auf einen Sechser-Takt. Das heißt, nur alle sechs Tage wurde ein Kran fertiggestellt, der Leistungsumfang hier nahezu halbiert. Allerdings erfolgten innerhalb der Firmengruppe unter anderem Zulieferungen für Seilbagger im Stammwerk Nenzing und für im französischen Colmar gebaute Raupenbagger für den Erzbergbau.

Vor allem aber lief bereits die Fertigung weiterer großer 1600-Tonnen-Schwerlastkräne für den Offshore-Einsatz an, deren imposanter Auftakt mit der Montage auf dem Spezialschiff "OSA Goliath" im vergangenen Jahr für Furore sorgte. Turmteile und Ausleger für den nächsten Riesen liegen in Rostock und Lubmin bereit. Im August wird das Spezialschiff "OSA Sampson" aus Singapur im Rostocker Seehafen erwartet, wo dann der nächste Offshore-Drehkran MTC 7800 montiert wird. Weitere Teile werden für Plattformen hergestellt, die der Montage von großen Offshore-Windkraftanlagen auf See dienen und voraussichtlich 2011 und 2012 zur Auslieferung kommen. Der Trend geht sogar zu noch größeren Kränen mit einem Turmdurchmesser von 13 Metern und mehr als 2000 Tonnen Hebekraft. "Entsprechend der riesigen Bauteile müssen wir die Tore auf 16 Meter vergrößern", nennt Müller Konsequenzen für die Bauanpassung. Für mehr als 14 Projekte laufen gegenwärtig die Verkaufsgespräche. "Gerade der gewachsene Markt für Großkräne bestätigt noch einmal, wie goldrichtig die Wahl des Produktionsstandorts Rostock am seetiefen Wasser war", erklärt Müller und weist darauf hin, dass sich durch den Ausbau der Liegeplätze 25 und 15 für Schwerlasten und die Erweiterung des maritimen Gewerbegebietes um zwölf Hektar die Umschlags- und Montagebedingungen weiter verbessern. Aber auch für Hafenmobilkräne zeichnet sich eine Verbesserung der Marktlage ab. Der Hafenumschlag zieht um etwa zehn Prozent wieder an. Eine schnellere Taktfolge des Kranherstellers wird wieder vonnöten.

Der Rostocker Müller, der seine beruflichen Wurzeln im DMR hatte, in Rostock und Wismar Maschinenbau und Betriebswirtschaft studierte, ist seit 2004 bei Liebherr beschäftigt. Zunächst eineinhalb Jahre in Österreich und seit 2005 als Werkleiter in Rostock, wo im April vor fünf Jahren die Produktion begann. Gegenwärtig sind insgesamt 855 Mitarbeiter - davon 70 in Lubmin - im Rostocker Werk tätig, einschließlich 120 Auszubildenden. Mit der neuen Halle wird auch die Ausbildungsbasis weiter wachsen, soll sich hier doch auch das Ausbildungszentrum, die Liebherr-Akademie, etablieren.

Die Bauleute, unter anderem von der Warnemünder Bau GmbH und vom Bauunternehmen Claus Wieben, müssen sich sputen. Im ersten Abschnitt soll schon Ende August der Stahlbau für die neuen großen Kräne beginnen. Parallel erfolgt der Einbau von fünf Großbohrwerken, ab Februar 2011, so die Herausforderung, könnte dann die mechanische Bearbeitung laufen. Wenn die Marktlage es hergibt, das Werk voll ausgelastet ist, finden weitere 700 Mitarbeiter hier ihr Tätigkeitsfeld. Auch die Zahl der Auszubildenden soll dann auf 200 steigen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen