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Norddeutsche Neueste Nachrichten

20. August 2017 | 19:32 Uhr

Kranführer hebt 800 Kilo in die Kirche

vom

Stadtmitte | Klirrende Kälte, es ist kurz vor zehn Uhr am Montagmorgen. Eine Traube von Menschen hat sich an der Marienkirche vor einem großen blauen Kran versammelt. Die neue Sakramentsglocke von Künstler Wolfgang Friedrich soll in ein spitzbogiges Fenster in der Backsteinfassade durch die Kirche gehoben werden. Sonntag ist sie feierlich geweiht worden.

Es geht los. Zwei Kranfahrer befestigen die stabile Bronzeglocke. Wenig später werden die 822 Kilogramm gehoben. Doch bevor die Glocke in die Öffnung hineinmanövriert wird, schwingt sie heftig von links nach rechts.

Spektakel für die Schaulustigen

"An sich dauert sonst alles nur eine Minute", sagt der Kantor Karl-Bernhardin Kropf. Für die Schaulustigen wird die Glocke aber noch ein wenig präsentiert. Sie ist die sechste neben der neuen Betglocke und den vier historischen Glocken. Verglichen mit den anderen ist sie sogar zierlich und somit leichter einzulassen.

Eine Gruppe von Kindern springt aufgeregt und klatscht in die Hände, als sich die Glocke der Öffnung nähert. Sie sind mit ihrer Lehrerin gekommen, um das Spektakel zu betrachten. Auch für Horst Lindemann ist das Einsetzen der Glocke ein Pflichttermin. "Ich bin im Heiligengeisthof groß geworden", erzählt der Rentner. Oben zum Turm hätte früher eine Wendeltreppe geführt. "Da haben wir heimlich mit den Mädchen rumgeknutscht", erinnert er sich an seine Jugendtage. Meist wären die schon außer Atem gewesen, wenn sie oben waren.

Die Glocke ist noch in der Luft. Die Leute zücken ihre Kameras. "Wenn alles klappt, ist es auch schön, wenn es Zuschauer gibt", sagt Kranführer Thomas Hesse. Es geht alles gut - die Glocke verschwindet in der Backsteinfassade. Jetzt kommt der komplizierte Teil. Nachdem das Fenster wieder geschlossen ist, wird die Glocke mit Elektro- und Handhebern an den anderen Glocken vorbeigeführt, an ihren richtigen Platz im Turm. Morgen soll sie dann fertig eingebaut sein. "Und Heiligabend wird sie das erste Mal klingen", sagt Kantor Kropf. Danach wird sie in das regelmäßige Kirchenspiel integriert.

Die Sakramentsglocke kostete rund 57 000 Euro, ist komplett aus Spenden finanziert. "Der einzige Zweck der neuen Glocke ist, die alten zu schonen", sagt der Kantor. Schließlich gäbe es keine Garantie, dass die alten genauso gut halten.

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erstellt am 19.Dez.2011 | 08:09 Uhr

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