Kunstschätzung in Rostock : Kostbarkeiten kommen ans Licht

Das Ehepaar Georg und Brigitte Kreutzer lässt das Gemälde des Rostocker Malers Hans Emil Oberländer von Susanne Knuth begutachten.  Fotos: aeng
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Das Ehepaar Georg und Brigitte Kreutzer lässt das Gemälde des Rostocker Malers Hans Emil Oberländer von Susanne Knuth begutachten. Fotos: aeng

Im Kulturhistorischen Museum begutachten, prüfen und schätzen Experten den Wert privater Kunstsammlungen #wirkoennenrichtig

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02. Januar 2018, 12:00 Uhr

In vielen privaten Haushalten schlummern wahre Kunstwerke und Kostbarkeiten. Doch oft wissen die Besitzer nicht um den Wert ihrer Habseligkeiten. Hilfe erhalten sie vom Kulturhistorischen Museum – dessen Experten geben regelmäßig bei einer Kunstbegutachtung den Eigentümern Antworten auf ihre Fragen. So auch dem Ehepaar Brigitte und Georg Kreutzer aus Rostock.

Bei der zurückliegenden Begutachtung hatten die beiden ein Gemälde im Gepäck. Mit dem Landschaftsbild „Hohes Ufer“ des Rostocker Malers Hans Emil Oberländer ging es in das Büro von Susanne Knuth, Sachverständige für Malerei, Grafik und Plastik. Das Werk stammt von 1943 und zeigt die Darßer Steilküste mit den kleinen Fischerhäusern und -booten vor der Ostsee. „Es hängt bei uns im Wohnzimmer und ist seit 1972 in unserem Besitz. Es spiegelt unsere mecklenburgische Heimat wider und bedeutet uns viel“, erzählt Georg Kreutzer. Gutachterin Susanne Knuth ist mit den Werken des Künstlers vertraut und schaut sich das Ölgemälde sehr interessiert an. „Oberländer war eine Lokalgröße in Rostock und bekannt für seine Landschafts- und Porträtmalerei. Er wurde 1885 in der Hansestadt geboren und lebte auf dem Darß, bevor er 1944 während seines Kriegsdienstes starb“, berichtet Knuth.

Bei genauer Betrachtung erkennt die Expertin kleine Risse in der Farbe, so genannte Krakelüre. „Solche Risse geben Auskunft über die Qualität der Arbeitsmaterialien. Da zu Entstehungszeit des Bildes Krieg herrschte, musste der Künstler wahrscheinlich auf weniger hochwertige Farbe zurückgreifen. Gute Materialien waren damals nur schwer zu beschaffen“, erläutert Knuth. An den helleren Stellen im Bereich des Himmels sind kleine Verschmutzungen zu erkennen, die im Laufe der Jahre durch Staub, Luftfeuchte oder andere Einflüsse entstehen können. „Ich würde eine Oberflächenreinigung empfehlen, um vielleicht noch mehr Hinweise über die Bildqualität zu erhalten“, so die Kunstverständige.

Einen Raum weiter, im Büro von Annelen Karge, Sachverständige unter anderem für Textilien, Fotografie, Kunsthandwerk und Spielzeug, erhofft sich Hans-Peter Fahl, endlich mehr über seine beiden Messingschalen zu erfahren. „Ich war schon vor zwei Jahren hier und habe nicht sehr viele Antworten auf meine Fragen erhalten können. Ich würde gerne wissen, woher die Schalen stammen und wie alt sie sind“, erzählt Fahl. Mit seiner ersten Vermutung lag er zunächst falsch. „Ich habe gedacht, die Schalen hätten etwas mit dem Judentum zu tun, da auf den Unterseiten eine Art Judenstern zu sehen ist. Der damalige Landesrabbiner William Wolff meinte jedoch, dass diese Zeichen nichts mit dem Judentum zu tun hätten“, berichtet Fahl. Es stellte sich heraus, dass es sich um arabische Schriftzeichen handelt, die laut Fahl auf ein geschätztes Alter von zirka 300 Jahren schließen lassen, doch sicher ist er sich nicht. Die Expertin kommt zu einem ähnlichen Schluss, aber viel mehr kann sie dem Hobbyarchäologen nicht sagen. Karge wird sich der Fragen des Rentners annehmen und Nachforschungen anstellen.

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