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18. November 2017 | 02:16 Uhr

Korruption: Zahl in MV steigt um fast die Hälfte

vom

svz.de von
erstellt am 30.Mär.2012 | 09:26 Uhr

Schwerin | Die Zahl der Korruptionsfälle, die die Polizei in MV im vergangenen Jahr bearbeiten musste, ist im Vergleich zu 2010 um knapp 50 Prozent angestiegen. Zählte das Landeskriminalamt (LKA) 2010 noch 71 Fälle, waren es 2011 dann schon 103, sagt LKA-Sprecher Michael Schuldt. Allerdings: Im Langzeitvergleich bewegt sich die Zahl immer um die 100. Die Zahl der Tatverdächtigen hat sich indes sogar fast verdoppelt: 73 nahmen die Ermittler im Jahr 2010 ins Visier, 140 aber im vergangenen Jahr. Die Aufklärungsquote stieg von 88,7 Prozent auf 92,2 Prozent. "Diese Delikte werden sehr konsequent verfolgt, auch weil neben dem tatsächlichen materiellen Schaden, ein hoher ideeller Schaden entsteht. Und der besteht im Vertrauensverlust innerhalb der Gesellschaft ", sagte der LKA-Sprecher.

Betroffen seien sowohl Verwaltungen als auch Unternehmen. Dabei gehe es unter anderem darum, Auftragsvergaben bevorzugt zu ergattern oder auch "bei Kommunalbehörden unmittelbar auf Maßnahmen einzuwirken". Sprich: Versuchte Bestechungen, um Strafen zu entgehen. Schuldt - früher selbst Schutzpolizist - kennt das aus eigener Erfahrung: "Mir ist beispielsweise von einem erwischten Alkohol-Fahrer schon angeboten worden, dass man sich doch einigen könne." So mancher Kollege kenne das. Solche Angebote seien sofort zu unterbinden. Um sich vor Korruption zu schützen, empfiehlt der LKA-Sprecher Unternehmen und Behörden ein Prinzip, das bei der Polizei gang und gäbe ist - das Vieraugen-Prinzip. Wichtig sei auch eine sorgfältige Personalauswahl und Qualifizierungen sowie "an den entscheidenden Stellen" das Rotationsprinzip. Um das Problem zu bekämpfen sei die Polizei auch auf Hinweise angewiesen: Verdachtsfälle sollten angezeigt werden, sagte Schuldt.

Ein im Vergleich zu anderen Bundesländern besonders auffälliges generelles Korruptionsfeld sei in MV bislang nicht festzustellen, so die Anti-Korruptionsorganisation Transparency International Deutschland (TI). "Da wir ein Flächenland mit nur einigen kleineren Ballungszentren sind, ist aber die Wahrnehmung in der Bevölkerung wahrscheinlich anders als zum Beispiel in den Großstädten. In der Provinz kennt jeder jeden und gegenseitige Gefälligkeiten - eine Hand wäscht die andere - werden nicht unbedingt als Korruption, Vorteilsnahme oder Ähnliches wahrgenommen", sagt Norbert Wiencke von TI. Das sei im wirtschaftlichen und lokalpolitischen Alltag sowie in den Verwaltungen immer wieder mal feststellbar.

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