Volkstheater Rostock : Kopflos: Auch Rosinski meldet sich ab

Droht dem führungslosen Volkstheater Rostock jetzt der Schiffbruch?
Droht dem führungslosen Volkstheater Rostock jetzt der Schiffbruch?

Wie der Intendant reicht der kaufmännische Geschäftsführer seine Krankschreibung bis Monatsende ein

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08. März 2016, 21:00 Uhr

Im Rostocker Theaterstreit hat der kaufmännische Geschäftsführer der Bühne, Stefan Rosinski, gestern die nächste Eskalationsstufe gezündet. Wie zuvor schon Intendant Sewan Latchinian reichte er seine Krankschreibung bis Ende des Monats ein. Das bestätigt Theater-Sprecherin Judith Zinke. Damit treibt die Bühne führungslos der neuen Spielzeit entgegen – ohne einen gültigen Spielplan vorweisen zu können.

Eine unhaltbare Situation, so Aufsichtsratschefin Eva-Maria Kröger (Linke): „Das Haus braucht dringend eine künstlerische Leitung, die den Spielplan aufstellt. Leider sind die Planungen massiv in Verzug.“ Davon hatte sich der Aufsichtsrat bei einer Sondersitzung am Montag überzeugt. Das Gremium habe Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) aufgefordert, möglichst zügig die künstlerische Leitung abzusichern, berichtet Kröger. Als Gesellschaftervertreter sei das seine Aufgabe. „Aufgrund des Schwebezustandes zwischen Oberbürgermeister und Intendant erleidet das Theater eine Lähmung, die den Betrieb gefährdet“, sagt die Linke-Fraktionschefin. Beide müssten sich jetzt dringend zusammenraufen.

Der OB kontert die Vorwürfe: „Dies ist eine Bankrotterklärung von Geschäftsführung und Aufsichtsrat.“ Sie hätten es versäumt, Vertreter für den Ausfall der Führungsspitze zu benennen, wie es überall in Wirtschaft und Verwaltung selbstverständlich sei. „Es entspricht der Polemik und Tatsachenverdrehung, wenn hier schon wieder nach dem Gesellschaftervertreter gerufen wird, statt endlich die Arbeit zu leisten, die vereinbart wurde und auch entsprechend vergütet wird“, sagt er.

Zugleich wirft der OB dem eigentlich als Kontrollorgan der Geschäftsführung installierten Aufsichtsrat vor, mehrheitlich die Interessen Einzelner zu vertreten. „Der Aufsichtsrat muss sich fragen lassen, wie bisher Verantwortung wahrgenommen wurde und wie die Kontrolle der Arbeit des Intendanten so sträflich vernachlässigt werden konnte“, schimpft Methling, der gestern Bundespräsident Joachim Gauck bei dessen Staatsbesuch in Belgien begleitete.

Sein Stellvertreter, Finanzsenator Chris Müller (SPD), berief eine Krisensitzung im Rathaus ein. Unter anderem nahmen Vertreter des Rechtsamts und des Beteiligungscontrollings teil. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll schon heute eine Zwischenlösung präsentiert werden. „Auch ein Theater ist keine Zwei-Mann-Show“, sagt Methling. Kommentar Seite 2

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