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Duell zwischen Wiro und Stadtwerken : Kompromiss im Wärmestreit

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Bürgerschaft entscheidet heute über Gründung einer eigenen Wiro-Tochterfirma. Stadtwerke sollen beteiligt werden.

von
erstellt am 07.Sep.2016 | 05:00 Uhr

Im Schwesterduell zwischen Wiro und Stadtwerken um die künftige Wärmeversorgung Tausender Wiro-Wohnungen entscheidet die Bürgerschaft heute über einen Kompromiss. Demnach darf das städtische Wohnungsunternehmen eine eigene Tochterfirma für Erzeugung und Lieferung von Wärme und Warmwasser gründen. Im Gegenzug soll den Stadtwerken aber eine Beteiligung an der geplanten WIR Wärme in Rostocker Wohnanlagen GmbH ermöglicht werden. Eine entsprechende Absichtserklärung haben beide Unternehmen bereits ausgearbeitet.

Berechnungen der Wiro zufolge läge der mögliche Gewinn ihrer Tochter zusammengerechnet über die nächsten 15 Jahre bei 5,1 Millionen Euro. Grundlage sind rund 7600 betroffene Mieteinheiten. Würden diese innerhalb des gleichen Zeitraums allerdings an die Fernwärme-Versorgung der Stadtwerke und anderweitige Wärmequellen des Unternehmens angeschlossen, seien nach dessen Angaben sogar 5,6 Millionen Euro drin. Die Stadtverwaltung stört das nicht: „Der zu erwartende Unterschied für den Zeitraum von 15 Jahren wird als nicht entscheidungsrelevant betrachtet“, heißt es in ihrer Beschlussvorlage für die Bürgerschaft. Zumal die Erzeugung und Lieferung von Fernwärme je Wohnung und Jahr 90 Euro teurer sei als die Nutzung von Gas durch die Wiro.

Hintergrund für die Tochterpläne der Wiro sind sanierungsbedürftige Heizungen in knapp 7000 Wohnungen. Würde das Unternehmen das für den Umbau benötigte Geld selbst investieren, würde es direkt kostenwirksam, erklärt Sprecher Carsten Klehn. Einer Tochterfirma hingegen sei auch die Abschreibung über 20 Jahre möglich, sodass nur ein Zwanzigstel der Investition sofort auf die Bilanz durchschlage. Die Auslagerung in die Tochterfirma sei daher der kaufmännisch schlauere Weg. „Vorbilder für das Modell gibt es viele – das ist bewährt“, so Klehn. Für die Mieter werde sich durch die Umstrukturierung überhaupt nichts ändern.

Auswirkungen auf ihre Kunden schließen auch die Stadtwerke aus – trotz erwarteter Umsatzeinbußen von mehr als einer Million Euro durch wegfallenden Erdgasverkauf und einer Erlösschmälerung von rund 100 000 Euro durch entgangene Fernwärmeerlöse im Falle der Gründung der Wiro-Tochter. „Höhere Preise werden aus diesem Beschluss nicht resultieren“, sagt Sprecher Thomas Schneider. Er zählt auch weiter auf die Versorgung der Rostocker mit Fernwärme. Sie sei die „zukunftsträchtigste Form der Wärmeversorgung in Großstädten“. Ihren Erhalt und Ausbau machen auch SPD und Grüne zur Bedingung für ihre Zustimmung zu den Wiro-Plänen.

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