Mode aus Rostock : Komponistin an der Nähmaschine

Ein Ladengeschäft, das die Mode von Anna-Lena Mikosch vertreibt, ist noch Zukunftsmusik. Die Sachen sind online unter www.componista.de zu bekommen.
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Ein Ladengeschäft, das die Mode von Anna-Lena Mikosch vertreibt, ist noch Zukunftsmusik. Die Sachen sind online unter www.componista.de zu bekommen.

Rostockerin vertreibt ökologische Babymode mit maritimer Note. Lebensweg führte sie aus dem Süden über Hugo Boss an die Küste.

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08. November 2015, 09:00 Uhr

„Componista“ – das ist nicht nur der Name einer Rostocker Firma, die sich auf biologische, faire und auch maritime Babybekleidung spezialisiert hat. Vielmehr stehen die zehn Buchstaben auch für eine Weltanschauung und eine abwechslungsreiche Lebensgeschichte. Die Frau hinter der Marke ist Anna-Lena Mikosch. Sie ist nicht nur Gründerin, Designerin, Schneiderin, sondern auch für den gesamten Vertrieb und Verkauf zuständig – ein Ein-Frau-Unternehmen sozusagen. Dass die heute 29-Jährige einmal in diesem Bereich arbeiten würde, war für sie bereits seit frühester Kindheit klar.

„Seit ich denken kann, wollte ich Modedesignerin werden. Eine Freundin hat mit das Wort ,Designerin‘ in mein Poesiealbum geschrieben. Ich habe dann gefragt, was das ist und seitdem stand mein Berufswunsch fest“, erzählt sie. Zusammen mit ihrer Oma wurden anschließend die ersten Puppenkleider geschneidert.

Aufenthalte in Paris und Valencia

Nach dem Abitur zog es die Baden-Württembergerin nach Paris. „Ich wollte in der Stadt der Mode leben und die Sprache lernen“, erzählt sie. Anschließend glückte ihr die Eignungsprüfung an der Hochschule für Technik und Wirtschaft, weshalb es für sie zum Modedesignstudium nach Berlin ging. „Ich hatte mir damals schon überlegt, irgendwann ein eigenes Unternehmen zu gründen und wollte deshalb alle Aspekte kennenlernen, nicht nur künstlerisch arbeiten“, so die jetzige Rostockerin. Einem Auslandssemester in Valencia folgte der Bachelorabschluss.

„Der Modemarkt ist hart umkämpft und es gibt viele Absolventen, deshalb habe ich danach gleich versucht über ein Praktikum in die Branche zu kommen.“ Dass sie nur eine Woche später bei Hugo Boss anfangen durfte, war eine glückliche Fügung. „Ich war im kreativen Bereich tätig und habe an den Herrensakkos mitgewirkt“, berichtet sie. Auch bei Fotoshootings für den Internetauftritt war sie involviert und konnte so einen umfassenden Einblick gewinnen. „Man ist da zwar örtlich mitten im Nirgendwo, aber in einem riesigen Unternehmen. Dass ich nach drei Monaten direkt eine Festanstellung als ,Assistant to Creative Management‘ bekommen habe, war ein toller Start.“

Doch waren es vor allem private Beweggründe, die dieses Kapitel für sie enden ließen. „Ich hatte während meines Studium in Berlin einen Rostocker kennengelernt. Wir haben dann lange eine Fernbeziehung geführt und als ich schwanger wurde, bin ich kurz vor der Geburt unserer Tochter ebenfalls in die Hansestadt gezogen.“

Die Modeindustrie sei in der Rostocker Umgebung, anders als im Süden Deutschlands, kaum vorhanden. „Mir war immer klar, dass ich mich selbstständig machen muss, wenn ich was bewegen will. Ich hatte für meine Kleine schon viel selbst genäht und immer positives Feedback von allen bekommen, also war die Idee geboren“, so die Jungunternehmerin. Angefangen im Mai 2015, war es ein langer Prozess, ehe die ersten Kleidungsstücke verkauft waren. Und vor allem die spezielle Ausrichtung sollte hier von Bedeutung sein. „Die Themen Ernährung, umweltbewusste Kleidung und so weiter haben in meiner Familie schon immer eine Rolle gespielt, nicht erst seit dem Bioboom, deshalb sollte mein Modelabel ähnliche Ansprüche haben“, so Mikosch.

Kein Wegwerfartikel, nicht den schnelllebigen Trends unterworfen und vor allem nachhaltig – „ich stehe hinter meinen Ansichten. Es gab in der Vergangenheit einige Skandale mit schadstoffbelasteten Materialien im Kindermodebereich und ich habe gemerkt, dass Eltern manchmal bei sich selbst nicht so auf die Herkunft der Materialien achten, bei den Kindern allerdings schon eher“, erzählt sie.

Die Schnitte entwickelte sie an ihrer Tochter selbst, zudem bezieht sie ihre ökologischen Stoffe von einem Hersteller, der sehr auf die Herkunft achtet. „Unabhängige Kontrollen achten hier auf den Arbeitsschutz in den Ländern und auch darauf, dass in keinem Arbeitsschritt Schäden an Natur und Mensch entstehen“, erklärt sie.

Das Meer beeinflusst die Kollektion

Doch nicht nur die Herkunft der Stoffe, sondern auch optisch sollten sich die Stücke von der Masse abheben. „Nicht so kunterbunt und mit Comicmustern, zudem angelehnt an das Maritime, sodass es auch das nächste Kind noch gut tragen kann“, so die Unternehmerin. Hosen und Oberteile für beide Geschlechter, kleine Details. „Rostock und die Nähe zum Meer beeinflussen mich natürlich. Ich habe zum Beispiel auf dem Kunsthandwerkermarkt mehrere ältere Herren mit Kapitänsmützen gesehen und diese versucht für Kleinkinder umzusetzen.“ Weiß-blaue Stoffe, mal mit weißer Spitze kombiniert, sind das Ergebnis. Vertrieben werden ihre Werke auf den Rostocker Wochenmärkten und im Internet.

Dann lüftet die junge Frau noch das Geheimnis um den Namen „Componista“. „Das Wort ist italienisch für Komponistin und steht nicht nur für meine Liebe zu Sprachen, sondern auch zu meiner Arbeit – ähnlich künstlerisch wie ein Komponist auf dem Notenblatt mache ich Form- und Farbkompositionen.“ Und wer so kreativ ist, für den sind auch viele Entwicklungen vorstellbar. „Ich möchte mich nicht ausschließlich auf Babymode festlegen. Es kann sein, dass auch meine Firma mit meiner Tochter Ella mitwächst.“

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