„Matrosen, Mädchen und Ringelnatz“ : Komödie passt gut zum Ostseebad

Spielen Erinnerungen an die Kindheit: Juschka Spitzer (l.) und Sabrina Frank.
Spielen Erinnerungen an die Kindheit: Juschka Spitzer (l.) und Sabrina Frank.

Verdienter Beifall für Regisseur, Bühnenbildnerin und die Darsteller nach der Premiere.

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09. März 2015, 13:00 Uhr

„Matrosen, Mädchen, Ringelnatz“ heißt das neue Stück in der Kleinen Komödie, das maßgeschneidert auf das Ostseebad mit seinen Eigenheiten passt. Im Mittelpunkt der Handlung stehen Schriftsteller Joachim Ringelnatz und seine Gedichte. Im wahren Leben heißt Ringelnatz Hans Gustav Böttiger war zeitweise als Soldat in Warnemünde stationiert und bekannt als Lebematrose. Während dieser Zeit schrieb er sein berühmtes Gedicht „Kuttel Daddeldu“ im Café Meyer, dem heutigen Ringelnatz.

Regisseur Martin Stefke und Bühnen- und Kostümbildnerin Maria Frenzel ist bei dieser Inszenierung etwas Großartiges gelungen: Sie haben die eher kleine Bühne der Komödie mit dem Spiel von verschiedenen Lichtfarben wandlungsfähig und facettenreich erscheinen lassen. Stefke hat mit Sabrina Frank, Juschka Spitzer und Gastmusiker Christian Kuzio das Stück gut besetzt. Denn Spitzer und Frank verkörpern gleich mehrere Personen. Es beginnt in einer Seemannspelunke, in der die Männer sich treffen, trinken und ihr Leben Revue passieren lassen. Dazu hat der Regisseur das Stück in die Etappen Kindheit, Seefahrt, Liebe und das Leben im Allgemeinen sowie den Tod gegliedert. Dazu passend verwandeln sich die Darsteller in die entsprechenden Figuren: Während sie von der Kindheit reden, werden die Frauen optisch eben jene. Das ist ein guter Einfall, der dem Sparzwang des Volkstheaters entgegenkommen dürfte, aber auch interessant wirkt.

Eine ganz wichtige Rolle kommt Gastmusiker Christian Kuzio zu, der von der Psychodelic-Rockband Die Reise oder der Formation Zwei Paar Schuhe bekannt ist. Er hat die Lieder komponiert, spielt Gitarre, Banjo und Klavier und beeindruckt mit kompositorischen Einfällen: Besonders brilliert der Musiker in der Szene, als er das Unwetter und das Wellenklatschen gegen den Bug des Schiffs simuliert, bei dem ein Seemann stirbt. Für Lacher sorgt die Szene, in der Sabrina Frank als Friseurin den Musiker hinter seinem Klavier verführt.

In einzelnen Szenen wird die Begeisterung der Mitwirkenden spürbar und steckt den Zuschauer förmlich an. Was vielen nicht klar ist und zum Eintauchen in Ringelnatz-Gedichte lohnt: Er benutzt eine besondere Sprache, für die der Wechsel zwischen Un- und Tiefsinn charakteristisch ist. Und er hat ein Faible für Dummheiten, Schlüpfrig-Derbes und dann wieder das Nachdenkliche.

Der Schlussapplaus war berechtigt und begeistert. Deshalb dankt das Trio mit der Zugabe des Liedes „Eingeschifft“ und erhält weiteren Beifall.

Nächste Termine: 15., 19., 29. März

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