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23. Oktober 2017 | 13:52 Uhr

Knirpse feiern ihre Erzieher

vom

svz.de von
erstellt am 18.Sep.2013 | 09:30 Uhr

Broderstorf | Der Name Markus wird von den Knirpsen der Broderstorfer Kita oft gerufen. Ob er beim Basteln helfen, Schuhe zubinden, Rat geben oder beim Treppensteigen assistieren soll - der Erzieher, der seit 2006 in der integrativen Kita "Kinderland" arbeitet, ist bei den Mädchen und Jungen beliebt. "Und natürlich auch im Team", sagt Sabine Kossow. Die von ihr geleitete Einrichtung ist Modellkita für das Projekt "Mehr Männer in Kitas - MV", das jetzt nach drei Jahren ausläuft. Viel wäre seitdem geschafft worden, bilanzieren die Verantwortlichen. Vor allem, weil es erst einmal galt, Vorurteile bei Eltern und Kolleginnen abzubauen. "Dennoch wird der Erzieherberuf immer Frauendomäne bleiben", sagt Projektleiter Dr. Walter Reuter. Die von der EU als Fördermittelgeber ausgegebene Zielstellung, dass 20 Prozent der Erzieher Männer sein sollten, wäre auch bei größten Bemühungen utopisch. "Ich habe das einmal durchgerechnet. Wenn es so gut läuft, wie bisher, brauchen wir dennoch weitere 95 Jahre, um das zu schaffen", so Reuter.

Bei den Kindereinrichtungen des Vereins Auf der Tenne herrsche aber Einigkeit darüber, "dass Männer einer Kita gut tun", wie Reuter sagt. Und das nicht nur, weil es immer heißt, dass Jungs männliche Vorbilder brauchen. "Die brauchen Mädchen nämlich auch", sagt er. Gerade in den ersten sechs bis acht Jahren sei die Entwicklung der Geschlechter so unterschiedlich, dass es dafür Pädagogen brauche, die ihre theoretischen Kenntnisse auch praktisch umsetzen könnten.

Das jetzt zu Ende gehende Modellprojekt sollte als Anstoß verstanden werden, in dieser Richtung weiterzumachen. Schließlich sei die geschlechterspezifische frühkindliche Pädagogik ein Bereich, der ständiger Arbeit bedürfe. Genauso wie das Werben um männliche Erzieher. "Wir sollten Kollegen im Team nicht mehr als exotisch herausstellen, sondern einen natürlichen Umgang finden, damit das zur Normalität wird", sagt Kossow. Aus ihrem Team könne sie nur positive Erfahrungen berichten. Auch die Auswirkungen des Modellprojektes wären im Berufsalltag spürbar. "Wir hatten früher immer nur Mädchen als Praktikanten, jetzt kommen aber auch immer mehr Jungs", sagt sie.

Reuter ergänzt, dass sich in den drei Projektjahren 250 Männer beim Verein gemeldet hätten, die als Quereinsteiger eine Erzieher-Ausbildung in Betracht ziehen würden. Die Modalitäten dieser Ausbildung seien laut Reuter aber noch verbesserungswürdig. Darum würde es in der Fortsetzung des Modellprojektes gehen, für die sich auch der Verein Auf der Tenne wieder bewerben kann.

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