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Norddeutsche Neueste Nachrichten

15. Dezember 2017 | 13:11 Uhr

Knatternde Leidenschaft

vom

svz.de von
erstellt am 17.Mai.2010 | 10:18 Uhr

Reddelich | Das satte Grün der Karosserie und die knallroten Felgen glänzen - der Famulus-Traktor, Baujahr 1964, sieht aus wie aus dem Ei gepellt. Stolz thront Fred Käckenmeister auf dem Sitz des urigen Gefährts, mit dem er am 29. Mai zum alljährlichen Treckertreffen in Lübberstorf fährt.
Für den Lkw-Fahrer aus Reddelich ein wichtiger Termin und die Gelegenheit, einige seiner Schmuckstücke vorzuführen. Käckenmeister sammelt alte Landmaschinen, Mopeds, Wohnwagen und Lkw. Aber seine größte Leidenschaft gilt alten Ost-Traktoren. Vor vier Jahren hat Käckenmeister Blut geleckt, da kaufte er sich einen 60 Jahre alten Maulwurf-Traktor. Mittlerweile stehen mehr als 30 Gefährte aus Tschechien, Russland, Rumänien und der ehemaligen DDR auf der Wiese vor seinem Haus. Von alten Motoren sei er schon immer fasziniert gewesen, erklärt er seinen Faible. "Die rattern und machen viel Lärm", sagt er lachend. Mit seinen vier Söhnen peppt die "total schrottigen" Gefährte vom Motor bis zum Getriebe wieder auf. "Momentan schrauben wir an fünf Treckern", erzählt er. "Wir machen das aus Lust und Dallerei", sagt sein ältester Sohn Marco und wischt sich die ölverschmierten Hände an der Hose ab. Ein Traktor, Marke Pionier, ist die neueste Errungenschaft. Für ein paar hundert Euro ersteigert, auf dem Hänger aus Bayern geholt, reiht sich das gute Stück nun in die Serie ratternder Verdampfermotoren auf der Wiese.
Käckenmeister pocht auf die Motorhaube eines Pionier-Traktors aus den 50er-Jahren. "So oder noch schlimmer sehen die aus, wenn wir sie für ein paar hundert Euro kaufen", sagt er. Mit einem Sandstrahler rückt er Rost und Schmutz zu Leibe, dann geht es ans Abschleifen und Schweißen, zum Schluss bekommt der Traktor einen neuen Lackanstrich verpasst. Zwei Wochenenden dauert die Schönheitskur, schätzt Käckenmeister. "Wenn drei bis vier Mann schnell arbeiten." Der Sammler beackert nebenher noch 8,5 Hektar Land, da kommen auch die antiken Landmaschinen zum Einsatz. Welchen Traktor er nimmt, entscheidet Käckenmeister "je nach Tagesform".
Er und seine Jungs kaufen die alten Trecker zwar meist für "einen Appel und ein Ei", Ersatzteile, Arbeitsstunden, Eifer und Leidenschaft machen die Oldtimer jedoch unbezahlbar. Verkauft wird bei den Käckenmeisters nicht. "Auf dem Schild steht ,zur Besichtigung", betont das Familienoberhaupt. Da sei er knallhart. Ihm seien schon "Unsummen" für das ein oder andere Gefährt geboten worden. "Da lass ich mich aber nicht erweichen", sagt er. Wenn man einen alten Trecker komplett auseinander- und wieder zusammengebaut habe, könne man sich nicht wieder davon trennen, erklärt er. Käckenmeister blickt liebevoll auf den Pionier-Traktor, dessen metallene Karosse unter einer dicken Rostschicht schlummert. Wer weiß, vielleicht ergibt sich beim Treckertreffen ja ein lohnender Tausch, was Ersatzteile angeht. Manchmal wechseln auch Fahrzeuge die Besitzer. "Ein wichtiger Termin für uns", so Käckenmeister. Der Spaß stehe zwar im Vordergrund, die Gespräche und Ratschläge der anderen Traktor-Fans seien allerdings auch Gold wert. Stolz schreitet Käckenmeister die Reihe seiner knatternden Lieblinge ab. Einen Wunsch hat der 52-Jährige noch: Ein Lanz fehlt in der Sammlung. "Der hat einen schönen Klang, tuckert richtig und bewegt sich ganz sanft", erklärt er. Noch sei Platz auf dem Hof.

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