Gesund in Rostock : Klinikum Südstadt ist für den Babyboom gerüstet

Schwester Babett Flehmig betreut ein Neugeborenes auf der Entbindungsstation.
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Schwester Babett Flehmig betreut ein Neugeborenes auf der Entbindungsstation.

Mehr als 3000 Kinder erblicken jährlich in der Hansestadt das Licht der Welt.

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25. Juni 2015, 12:00 Uhr

„Er ist ein ganz ruhiges Baby.“ Eve Michler strahlt ihren kleinen Haro an. „Er ist ein Wunschkind“, sagt die 26-Jährige. „Wir haben ihn schon sehnsüchtig erwartet und uns gefragt, wie er wohl aussehen wird.“ Haro Michler wurde am 15. Juni geboren – acht Tage vor dem errechneten Geburtstermin. Er ist 52 Zentimeter groß und wiegt 3740 Gramm. Haro ist kerngesund. „Er ist unser erstes Kind. Ich habe mir einen Jungen gewünscht“, verrät Eve Michler. Knapp drei Stunden habe die Geburt gedauert. „Eine Hebammenschülerin war die ganze Zeit dabei. Das war sehr angenehm“, findet die frisch gebackene Mutter. „Ich kann es immer noch nicht ganz fassen, dass wir nun Eltern sind“, schwärmt sie.

In der Universitätsfrauenklinik am Klinikum Südstadt werden jährlich rund 3000 Kinder geboren. Damit ist die Einrichtung eine der bundesweit größten Fachkliniken für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Ein Großteil der Kinder kommt ohne Komplikationen zur Welt. Die Geburten werden medizinisch umfassend unter anderem von Oberärztin Dr. Kerstin Hagen begleitet. „Im Durchschnitt bekommen die Frauen in Deutschland ihr erstes Kind im Alter von 29 Jahren, in Mecklenburg-Vorpommern mit 27 Jahren“, erläutert die Gynäkologin. In den vergangenen Jahren habe es eine Zunahme an Mehrlingsgeburten gegeben. Allein 2014 wurden 84-mal Zwillinge zur Welt gebracht, 2010 gab es sogar einmal Vierlinge. Diese Mehrlingsgeburten seien in der Regel auf eine Kinderwunschbehandlung zurückzuführen. Denn die Wahrscheinlichkeit, spontan schwanger zu werden, nehme mit dem 30. Lebensjahr ab. Deshalb entscheiden sich Paare mit unerfülltem Kinderwunsch immer häufiger für eine künstliche Befruchtung. Das Resultat: Die Anzahl der Mehrlingsgeburten steigt. Ohne Eingreifen würde auf 85 Geburten eine Zwillingsgeburt kommen, mit Kinderwunschbehandlung verschiebe sich das Verhältnis jedoch auf 1 zu 55.

Die Spontanentbindung sei die risikoärmste Form, ein Kind zu bekommen, bei Mehrlingsgeburten sei diese allerdings nicht immer möglich. „Ein Kaiserschnitt bleibt eine Operation, er ist grundsätzlich mit einer Narkose und einem Bauchschnitt verbunden“, erklärt Hagen. Und dennoch würden sich immer mehr Frauen dafür entscheiden. Rund ein Viertel aller Babys kämen per Kaiserschnitt. „Dabei wollen die Kinder auch lieber normal geboren werden. Nach einem geplanten Kaiserschnitt haben sie häufig Anpassungsstörungen. Sie werden ins Leben ,gerissen’, haben keine Umstellungszeit und manchmal noch etwas Flüssigkeit in der Lunge“, erklärt die Medizinerin. Sogar Zwillinge könnten unter bestimmten Voraussetzungen mittlerweile normal geboren werden.

„Die Frauen suchen sich ihre Informationen häufig im Internet und stoßen da manchmal auf Horrorgeschichten. Aber man darf nie vergessen, dass es häufig Laien sind, die dort im Internet beraten. Wir freuen uns immer, wenn wir eine Frau im Rahmen unserer Geburtsplanungsgespräche in der Klinik zum Umdenken bewegen können, wenn sie sich für eine Spontanentbindung und gegen einen Kaiserschnitt entscheidet“, so Kerstin Hagen.

Durchschnittlich würden am Klinikum Südstadt täglich acht Babys geboren – 51 Prozent Jungs, 49 Prozent Mädchen. Im Kreißsaal gäbe es für die werdenden Mütter alle Möglichkeiten einer modernen Entbindung. „Eine Geburt ist für die Frau eine höchst körperliche Anstrengung. Aber auch die Väter sind belastet, in erster Linie, weil sie oft nicht genau wissen, wie sie helfen können“, weiß Kerstin Hagen. „Wir sind prinzipiell dafür, dass beide Elternteile die Geburt gemeinsam erleben. Aber einige wollen das auch nicht.“

Eine normal verlaufende Entbindung ohne Komplikationen betreuen in der Regel eine Hebamme und eine Hebammenschülerin. „Jede Geburt wird jedoch ärztlich beaufsichtigt. Bei allem, was von der Normalität abweicht, müssen wir eingreifen“, erklärt Hagen. Dass im Südstadtklinikum die verschiedenen Fachrichtungen unter einem Dach Hand in Hand arbeiten, sei dabei ein Vorteil – wenn beispielsweise mit dem Neugeborenen etwas nicht stimme, könnten die Kinderärzte sofort eingreifen.

Nach der Geburt würden die Frauen in der Regel drei Tage im Klinikum bleiben, bevor sie nach Hause gehen. „Es gibt aber auch Frauen, die zwei bis drei Stunden nach der Entbindung die Klinik wieder verlassen. Die haben aber meist schon Erfahrung mit einem Kind. Laut Statistik bekommen die meisten Frauen aber nur ein Baby. Und diese Frauen bekommen auf unserer Wochenstation wertvolle Tipps“, sagt Kerstin Hagen. Die Oberärztin erklärt: „Sie lernen unter anderem, wie sie ihr Kind richtig wickeln, halten und baden, wie sie es richtig an die Brust anlegen oder was sie machen, wenn die Nahrung nicht reicht.“ Auch Eve Michler fühlt sich für ihre Aufgabe als Mutter gut vorbereitet: „Eine Woche vor der Entbindung ist das Kinderzimmer fertig geworden. Ich freue mich auf die erste Kinderwagen-Runde mit dem Kleinen“, erzählt sie.

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