Gesundheitsstreit : Klinikstruktur auf dem Prüfstand

Wichtige Gespräche:  Finanzsenator Chris Müller und die Verwaltungsdirektorin des Klinikums Südstadt, Renate Fieber, diskutieren über das Eltern-Kind-Zentrum.
Wichtige Gespräche: Finanzsenator Chris Müller und die Verwaltungsdirektorin des Klinikums Südstadt, Renate Fieber, diskutieren über das Eltern-Kind-Zentrum.

Rostocks Senator Chris Müller widerlegt Gerüchte. Südstadt reagiert auf Kritik des Chefs für Kindermedizin. Kooperation funktioniert dennoch

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24. August 2016, 08:00 Uhr

Nächste Runde in der Klinikdebatte: Das Klinikum Südstadt reagiert auf die Kritik des Uni-Kinderklinikchefs, dass es nicht zeitgemäß sei, Säuglinge von einer zur anderen Klinik transportieren zu müssen. Verwaltungssenator Chris Müller (SPD) räumt mit Gerüchten auf und die Ministerien ducken sich weg.

Die Südstadtklinik hat einen offenen Brief an werdende Eltern der Region gerichtet. Quintessenz: „Wir sind ein Haus mit einer hohen Leistungsbereitschaft. Unsere Patienten, insbesondere die Eltern, brauchen sich keine Sorgen um die Qualität der Behandlung machen“, sagt Verwaltungschefin Renate Fieber. Die Kindermedizin in Rostock ist aufgeteilt. Die Früh- und Neugeborenenmedizin, die Neonatologie, ist bei der Südstadt-, die übrige Kindermedizin bei der Uniklinik. Der Leiter der Kinderklinik, Prof. Michael Radke, sieht es als politische Fehlentscheidung, dass die Neonatologie vor zehn Jahren an die Südstadt gegangen ist – schlecht für die Uniklinik, für ihre Attraktivität für den Ärztenachwuchs in Rostock, weil die Uni in der Ausbildung auf den guten Willen der Südstadt angewiesen sei. Außerdem sieht Radke die Transporte von Säuglingen kritisch. „Es sind wenige Fälle von Kindern, die überhaupt transportiert werden“, sagt Fieber. Durchschnittlich werde pro Monat ein Kind zur Diagnostik oder Mitbehandlung überwiesen. Passiert sei bei den Transporten noch nie etwas. Auch sie sehen darin aber „nicht die optimalste Versorgungsform“, heißt es im offenen Brief des Klinikums Süd. „Ziel ist es, dass alle Kinder zukünftig die Klinik während ihrer Behandlung nicht verlassen müssen. Deshalb planen wir seit Jahren am Standort Klinikum Südstadt ein Eltern-Kind-Zentrum.“ Kürzlich haben die Kliniken einen Antrag beim Sozialministerium eingereicht. „Ein gemeinsames Eltern-Kind-Zentrum des Klinikums Südstadt und der Universitätsmedizin Rostock am Standort Rostock ist insbesondere aus medizinischen aber auch aus wirtschaftlichen Gründen absolut wünschenswert“, sagt Senator Müller. „Ich hoffe, dass ausreichend Landesmittel zur Verfügung gestellt werden können und eine Genehmigung des Projektes erfolgt.“ 50 bis 60 Millionen Euro wären die geschätzten Kosten für die Betreuung von der Schwangerschaft über die Geburt bis danach.

Aus dem Sozialministerium gibt es dazu bisher keine Stellungnahme, ebensowenig zu den Gerüchten um Fusion und Privatisierung sowie dem Vorschlag zum Trägerwechsel für die Neonatologie. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt könne keine Aussage getroffen werden, so Sprecher Christian Moeller. Die Trägerschaft würde auch das Bildungsministerium betreffen. Ein Statement bleibt aber aus. Klarere Worte findet Senator Müller: „Es gibt keinen Plan der Hansestadt zur Veräußerung des Klinikums beziehungsweise einer Fusion der Klinik mit der Unimedizin Rostock.“

Trotz kurzzeitiger Differenzen zwischen Südstadtchefin und Unikinderklinichef scheinen Patienten sich nicht um die Behandlung sorgen zu müssen. Beide betonen unabhängig voneinander, dass die Zusammenarbeit in der Praxis sehr gut funktioniere.

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