Klinik will ihren Gewinn behalten

Foto: geos
Foto: geos

von
13. September 2012, 08:20 Uhr

Rostock | Mit einem Überschuss von knapp 6,7 Millionen Euro hat das Südstadtklinikum einen erfolgreichen Jahresabschluss für 2011 vorgelegt. Einen Großteil davon könnte das Krankenhaus aber gleich wieder loswerden: 5 Millionen Euro sollen an die Stadtkasse abfließen. So sieht es der Plan von Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) vor, über den die Bürgerschaft jetzt beraten muss. "Wir haben ein akutes Problem, das diesjährige Haushaltsziel zu erreichen", erklärte Karin Helke, Leiterin des Hauptverwaltungsamtes, gestern im Klinikausschuss. Für eine schwarze Null fehlten nach derzeitigem Stand noch zehn Millionen Euro. Außerdem fordert die Rechtsaufsicht in Schwerin einen Altschuldenabbau von weiteren 10 Millionen Euro. Das Geld soll für gemeinnützige Zwecke, etwa im Kulturbereich, ausgegeben werden.

Doch der kommunale Eigenbetrieb wehrt sich dagegen, weiter den Goldesel für den Stadthaushalt zu spielen. Es würden zwar noch 1,7 Millionen Euro als Gewinnrücklage beim Krankenhaus bleiben - das ist aus Sicht der Klinikleitung aber nicht genug, um das Krankenhaus weiter wettbewerbsfähig aufzustellen. "5 Millionen Euro werden dem Krankenhaus sehr weh tun", mahnte Johannes Baumann von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft WRG Audit. "Wenn wir die volle Summe zahlen, werden wir Probleme mit der Liquidität bekommen", ergänzte Verwaltungsdirektorin Renate Fieber. "Die Klinik braucht das Geld außerdem für Investitionen. Wenn wir jetzt kein Geld reinstecken, werden wir irgendwann nicht mehr auf dem Markt sein", sagte der ärztliche Direktor Hans-Christof Schober. Es falle ihm schwer, seinen Mitarbeitern zu erklären, warum die Millionen lieber in die Stadtkassen statt in moderne Ausrüstung fließen sollen. "Das ist absolut nicht in die Zukunft gedacht", sagte er in der hitzigen Debatte.

Konkret stehen Investitionen für eine Erweiterung des Operationsbereiches und eine Aufstockung des Neubaus mit einer Intensivstation an. Letzteres ist ein 10-Millionen-Projekt und könnte nach aktuellem Verhandlungsstand mit der Landesregierung mit 5,4 Millionen gefördert werden. Der Rest muss als Eigenanteil aufgebracht werden. "Da würden wir in Schwierigkeiten kommen", so Fieber. Außerdem will der Betrieb seit langem auf seinem Gelände eine Kita und ein Pflegeheim errichten, um als familienfreundlicher Arbeitgeber attraktiv zu bleiben.

Toralf Sens, der für die SPD im Ausschuss sitzt, betonte, dass es bei der Entscheidung nicht allein um das Wohl des Krankenhauses gehe. "Hier muss gegen das Wohl der gesamten Stadt abgewogen werden." Denn wenn die Millionen für den Stadtetat ausbleiben, würden einer Haushaltssperre viele freiwillige Leistungen zum Opfer fallen. "Das würde Sport- und Kulturvereine hart treffen", so Sens.

Der Ausschuss stimmte letztlich einem Kompromissvorschlag der CDU zu und sprach sich mit knapper Mehrheit dafür aus, die Gewinnabführung auf 3,5 Millionen Euro zu reduzieren. Das letzte Wort hat die Bürgerschaft. Sie tagt am 10. Oktober dazu.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen