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Norddeutscher Lehrertag : Kleinste Klassen und eine große Last

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Das Statistische Bundesamt nennt erstaunliche Zahlen für Schulen in Mecklenburg-Vorpommern. An der hohen Arbeitsbelastung für Lehrer ändert das nichts. Sie ist heute Thema beim Norddeutschen Lehrertag in Schwerin.

svz.de von
erstellt am 20.Apr.2012 | 08:23 Uhr

Schwerin | Um Arbeitsbelastung, Schulqualität und Lehrergesundheit geht es heute in Schwerin beim Norddeutschen Lehrertag. Er wird vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) ausgerichtet. Die Gewerkschaft, der landesweit gut 1000 Mitglieder angehören, hat vorab in einer Umfrage ermittelt, wie Pädagogen ihr Pensum einschätzen. Nach einer ersten Durchsicht der rund 700 Fragebögen zeigte sich: In allen Schularten empfinden Lehrerinnen und Lehrer die Belastung als hoch. "Die außerunterrichtliche Tätigkeit wird bei der Bemessung der Arbeitszeit deutlich vernachlässigt", sagt VBE-Vorsitzender Michael Blanck, Lehrer am Gymnasium Pasewalk. "Sie steigt immer mehr."

Schon seit Jahren klagen Lehrergewerkschaften und -verbände über die Arbeitsbedingungen: Mecklenburg-Vorpommern gehört zu den Bundesländern mit der höchsten Unterrichtsverpflichtung und den schlechtesten Verdienstmöglichkeiten für Pädagogen.

Demgegenüber gibt es im Nordosten die kleinsten Schulklassen bundesweit, wie das Statistische Bundesamt Wiesbaden ermittelt hat. Auf Grundlage des Schuljahrs 2010/2011 wurden die Bildungssysteme der Länder vermessen. Demnach sitzen durchschnittlich 18 Kinder und Jugendliche an den allgemeinbildenden Schulen Mecklenburg-Vorpommerns in einer Klasse - ebenso wie in Thüringen und Sachsen-Anhalt. In Nordrhein-Westfalen sind es mit 24 Schülerinnen und Schüler die meisten, der bundesweite Mittelwert beträgt 22. Bei der Betreuungsrelation - der Zahl der Schüler pro Lehrkraft - verkehrt sich das Bild allerdings. Mit 17,1 Schülern pro Lehrkraft liegt Mecklenburg-Vorpommern dabei deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 15,9 und an Platz 1 der Rangfolge. Thüringen und Sachsen-Anhalt hingegen bleiben mit 12,1 und 11,9 am Ende. "Die Lehrkräfteausstattung ist ein Indikator für die Qualität der Bildungsangebote", urteilen die Bundesstatistiker.

Also wieder ein schlechtes Zeugnis für die Schulen im Nordosten? Nach Einschätzung des Bildungsministeriums verliert die hohe Betreuungsrelation ihren Schrecken, wenn der Rechenweg betrachtet wird. Das Statistikamt setzt die Schülerzahl ins Verhältnis zu Vollzeit-Lehrerstellen. Hierzulande arbeitet das Gros der Lehrer seit Jahren in Teilzeit. "Bei Teilzeitstellen wird pauschal angenommen, dass es sich um halbe Stellen handelt, obwohl unsere teilzeitbeschäftigten Lehrer deutlich mehr als 50 Prozent arbeiten" sagt Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD). "Deshalb sind die Lehrerzahlen in der Erhebung des Statistischen Bundesamtes schlichtweg zu niedrig." Der Minister ist heute auf dem Lehrertag des VBE zu Gast.

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