Gartenkrieg in Rostock : Kleingärtner wollen den Einzug von Urlaubern verhindern

Eine Trennung im Guten nehmen Andreas Schmidt (v. l.), Fritz Jahrmann und Christian Seifert vor.
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Eine Trennung im Guten nehmen Andreas Schmidt (v. l.), Fritz Jahrmann und Christian Seifert vor.

Rostocker sollen bei der Parzellen-Vergabe den Vorzug erhalten. Dabei nutzen Berliner und Hamburger die Anlagen als Feriendomizil

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07. März 2016, 06:00 Uhr

Kleingärten, die von Berlinern, Brandenburgern oder Hamburgern als billige Feriengelegenheit in Strandnähe genutzt werden, soll es in Zukunft nicht mehr geben. „Wir brauchen jeden Garten für unsere Rostocker“, sagt Christian Seifert, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Gartenfreunde.

Er arbeitet gemeinsam mit den Anlagenvorsitzenden im gesamten Stadtgebiet an Lösungen. Denn rechtlich zuständig seien die Vereine selbst. Fritz Jahrmann von der Anlage In de Süld in Lichtenhagen sagt stellvertretend für viele Vereine: „Leider ist es, aus welchen Gründen auch immer, in der Vergangenheit dazu gekommen, dass auch Berlin-Brandenburger und Bielefelder in unserer Anlage einen Pachtvertrag erhalten haben.“ Sein Verein sei aber auf einem guten Weg, das Problem einvernehmlich zu lösen.

Einer der betroffenen Pächter ist Andreas Schmidt. Der Bauunternehmer aus Brandenburg will seine Parzelle jetzt aufgeben. „Wir haben sie vor Jahren über Bekannte angeboten bekommen und als günstiges Ferienobjekt gesehen, aber in den Gesprächen mit dem aktuellen Vorstand ist uns nun klar geworden, dass wir hier mit unseren Vorstellungen und den Vorgaben des Vereins nicht in Übereinstimmung kommen“, sagt er. Er sei immer gerne in Rostock gewesen und das etwa sechs bis zehn Mal pro Jahr für ein verlängertes Wochenende. Nur auf der faulen Haut hätten er, seine Partnerin und sein Vater dann aber nicht gelegen: „Wenn wir hier waren, war es auch immer ein Großeinsatz.“ Die jetzige Trennung von seinem Vereinschef erfolgt denn auch im Guten. Für den Garten gibt es bereits zwei Interessenten aus der näheren Umgebung.

Laut Verbandschef Seifert liegt das Problem der Urlaubs-Zweckentfremdung der insgesamt 15 000 Rostocker Parzellen im Promillebereich. Die Mitglieder von In de Süld beispielsweise hatten bereits 2009 mehrheitlich beschlossen, keine Auswärtigen mehr neu in ihren Verein aufzunehmen. Seitdem werden die insgesamt 71 Parzellen ausschließlich an Nutzer verpachtet, die innerhalb eines 50-Kilometer-Radius leben. Leerstand gebe es trotzdem keinen. „Wir haben laufend Anfragen“, sagt Jahrmann, der sich eine Senkung des Altersschnitts wünscht. Aktuell liegt der bei 64 Jahren. „Ein Großteil sind vor 27 Jahren Gründungsmitglieder gewesen, da kommen jetzt die Kinder nach“, sagt der Vereinschef. In de Süld war die letzte Anlage, die vor der Wende eingeweiht wurde.

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