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Norddeutsche Neueste Nachrichten

18. November 2017 | 17:09 Uhr

Kleingärtner fühlen sich abgezockt

vom

svz.de von
erstellt am 15.Aug.2012 | 09:18 Uhr

Rostock | Michael Kretzschmar und Dieter Steffens sind sauer, denn sie fühlen sich von der Stadt Rostock über den Tisch gezogen. Grund für das Ärgernis ist die Erhöhung des Pachtpreises für die Kleingärten ab 2013 - um satte 225 Prozent. Ende des Monats ist der Betrag für die zahlreichen Pächter der Hansestadt fällig, denn gezahlt wird im Voraus. Seit Wochen versuchen die beiden Männer vom Verband der Gartenfreunde mit der Stadt eine Einigung zu finden, wie sie Erhöhung umgesetzt werden kann. Aber bisher vergebens.

In diesem Jahr nahm die Stadt durch die Verpachtung ihrer Flächen knapp 270 000 Euro ein. Nach der Erhöhung werden es 680 000 Euro sein. Die Nachricht der Erhöhung erreichte den Verband am 19. Juni. Sofort nahmen Geschäftsführer Kretzschmar und Vorstandsvorsitzender Steffens Kontakt zu Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) auf. Anlass der Sorgen sei jedoch nicht die Pachterhöhung selbst, sondern die Art und Weise, wie die Stadt diese erhebt. "Dass es zu einer Preisanhebung kommt, war uns klar und die Forderungen sind berechtigt", so Steffens. Vielmehr gehe es darum, die Erhöhung zu staffeln und somit die finanzielle Belastung für die Pächter zu verringern.

Ab dem kommenden Jahr soll der Quadratmeter im Jahr nun nicht mehr 6,4 Cent kosten, sondern 14,4 Cent. Die Erhöhung gilt für drei Jahre und richtet sich laut Bundeskleingartengesetz nach dem ortsüblichen Pachtpreis für den erwerbsmäßigen Obst- und Gemüseanbau. Die Pacht für Kleingärten kann danach das Vierfache dessen betragen. Bei einem Standardgarten mit einer Größe von knapp 350 Quadratmetern erhöht sich die jährliche Pacht damit von 22,40 Euro auf 50,40 Euro. "Das hört sich vielleicht wenig an, aber unser Klientel hat ein kleines Budget", sagt Steffens. Viele Sozialhilfeempfänger, Arbeitslose und ältere Menschen, die Renten aus DDR-Zeiten beziehen, seien in einem der 154 Rostocker Gartenvereine organisiert. Hinzu komme, dass bis Ende des kommenden Jahres auch die Abwasser umstellung in vielen Kleingärten erfolgen muss - eine zusätzliche finanzielle Belastung. "Es besteht ganz klar die Gefahr, dass beide Umstellungen zusammen dafür sorgen, dass manche ihren Garten nicht mehr halten können", so Steffens.

Einige Mitglieder befürchten sogar, dass sich die Stadt erhofft, möglichst viele würden ihre Gärten aufgeben. "Schließlich handelt es sich bei den meisten um attraktive Flächen, wie in Warnemünde", sagt Vorsitzender Steffens.

Laut Kataster-, Liegenschafts- und Vermessungsamt der Hansestadt Rostock ist das Problem durchaus bekannt. Derzeit werde geprüft, ob und welche Möglichkeiten es gibt. Noch sei also alles offen. Doch die Zeit drängt. "Die Rechnung steht ins Haus", sagt Kretzschmar. Die erste Anfrage sei schließlich auch schon fast acht Wochen her.

Insgesamt gibt es in Rostock 154 Gartenvereine, die eine Fläche von mehr als 4,7 Millionen Quadratmetern bewirtschaften. Steffens und Kretzschmar hoffen nun auf eine Lösung, die für alle verträglich ist. "Am besten wäre eine Staffelung in drei Schritten, sodass der neuen Pachtpreis komplett erst ab 2016 bezahlt wird", sagt der Vorstandsvorsitzende.

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