ausverkauf : Kleingärten-Zahl schrumpft

Sie sind die Stimme der Kleingärtner: Esta Kunde (v. l.), Christian Seifert, Eckhard Hamann, Annette Roeßler und Regina Rau vom Verband der Gartenfreunde.
Sie sind die Stimme der Kleingärtner: Esta Kunde (v. l.), Christian Seifert, Eckhard Hamann, Annette Roeßler und Regina Rau vom Verband der Gartenfreunde.

In den nächsten Jahren sollen weitere 650 Parzellen Platz machen – für Wohn-, Arbeits- und Uni-Gebäude

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14. Juni 2015, 08:00 Uhr

Aus noch mehr Rostocker Gärten wird Bauland: Die elf gekündigten Erlengrund-Kleingärten in Markgrafenheide machen nur einen Bruchteil der Parzellen aus, die in den nächsten Jahren zur Bebauung freigegeben werden sollen. Insgesamt stehen derzeit noch rund 650 Kleingärten auf der Streichliste, die 2008 als so genannte Umnutzungskonzeption erstellt worden war. Rund 250 Parzellen wurden seitdem schon umgewidmet, unter anderem für das Wohngebiet Am Molenfeuer in Warnemünde und die Kaufland-Filiale in der Südstadt.

Die Konzeption sei ein Kompromiss gewesen, auf den sich Kleingärtner, Verwaltung und Politik schon 2006 geeinigt hätten, so Michael Kretschmar, Ex-Geschäftsführer des Verbands der Gartenfreunde. „Wir haben bereits 1993 gesagt, wir sind für den Erhalt der Kleingärten, aber wir sind auch Rostocker – und Rostocker müssen irgendwo wohnen und einkaufen“, so Kretschmar. Bis 2025 werde die Bevölkerung Prognosen zufolge wachsen.

Ob davon auch die 153 Kleingarten-Vereine in Rostock profitieren, ist allerdings fraglich. Zwar gebe es in den mehr als 15 400 Parzellen zurzeit keinen Leerstand, so Kretschmar, aber „fast 30 Prozent der Kleingärtner sind im Alter zwischen 70 und 80 Jahren, 25 Prozent sind zwischen 60 und 70 Jahre alt“. Voraussichtlich würden daher bis 2025 rund 15 bis 20 Prozent weniger Parzellen benötigt.

Vor diesem Hintergrund seien gleich drei Arbeitsgruppen mit dem Stadtplanungs-, Liegenschafts- und Grünamt gebildet worden, so Kretschmar. Diese widmen sich unter anderem der Frage, welche Nachnutzung zulässig ist, falls sich für eine frei werdende Parzelle kein neuer Gärtner finden sollte. Denkbar seien in diesem Fall beispielsweise die Schaffung von bedarfsgerechten Parkplätzen oder auch Obstbaumwiesen. „So eine Fläche kann man vielfältig nutzen“, sagt der Ex-Geschäftsführer. Neben der Nachnutzung steht derzeit auch die Anpassung des Generalpachtvertrags von 1993 im Mittelpunkt.

Aus Sicht von Eckhard Hamann, Sprecher des Verbands der Gartenfreunde, haben Kleingärten Zukunft: „Die jungen Familien kommen.“ Sie würden die Anlagen wieder als gefahrlosen Rückzugsraum für ihre Kinder und zur Naherholung entdecken.

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