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Norddeutsche Neueste Nachrichten

18. November 2017 | 04:06 Uhr

Rostock : Klare Fronten: „Betty“ bleibt besetzt

vom
Aus der Onlineredaktion

Mediation zwischen Studentenwerk und Abrissgegnern: Versorgung wieder hergestellt. Hörig: Verlassen des Gebäudes straffrei

svz.de von
erstellt am 18.Okt.2017 | 06:00 Uhr

Durch eine moderierte Diskussion sollten die verhärteten Fronten zwischen Hausbesetzern und -eigentümern des Elisabethheims in der Ulmenstraße gestern aufgeweicht werden. Zwar verliefen die Gespräche zwischen Abrissgegnern und Studentenwerk friedlich, aber nicht konstruktiv. Deshalb halten die verbarrikadierten Personen das Gebäude weiter besetzt. Die Diskussion wurde nach mehr als zwei Stunden vorerst beendet, aber zumindest die Versorgung mit Lebensmitteln wieder erlaubt. Die war Besetzern und Unterstützern zufolge vonseiten der Polizei untersagt worden.

Das Elisabethheim – von den Abrissgegnern „Betty“ genannt – soll gemäß Plänen des Studentenwerks für ein neues campusnahes Studentenwohnheim mit Mensa weichen. Die seien dringend nötig, so Geschäftsführer Kai Hörig. Zu Semesterbeginn habe das Werk mehr als 1400 Bewerber ablehnen müssen. Kämen die in Wohnheimen unter, wäre auch den anderen Bewohnern in den betroffenen Vierteln geholfen, denn „die Studenten wären runter vom Wohnungsmarkt“, sagt Hörig.

Hausbesetzer und die gegründete Bürgerinitiative fordern stattdessen in der Betty „einen sozialen Freiraum zu schaffen, in dem jeder Vorstellungen einer bunten Stadt ausleben kann“. Ein neues Wohnheim könne genauso an anderen Standorten wie dem leerstehenden Polizeigebäude in der Blücherstraße entstehen, so der Vorschlag eines Besetzers. Auch eine gemeinsame Nutzung von Studenten und Betty-Befürwortern käme infrage, solange das Gebäude nur bestehen bliebe.

Dass das 1907 eingeweihte und 13 Jahre lang leerstehende Haus unter wirtschaftlichen Bedingungen und aus technischer Sicht nicht mehr zu retten sei, betonte Baugutachter Jörg Meling: „Allein die Wasserschäden verschlimmern sich jedes Jahr auf das Doppelte.“ Zudem müssten Schadstoffe entfernt werden. Einen Gebäudeteil oder zumindest die Fassade zu erhalten, halte er generell aber für denkbar.

Gegen die Besetzer hatte das Studentenwerk Anzeige wegen Hausfriedensbruchs erstattet. Fallen lassen will Hörig sie nicht: „Wir sind als Eigner für die Sicherheit der Personen im Haus zuständig. Die Verantwortung zu übernehmen, wenn etwas passiert, bin ich nicht bereit.“ Allerdings werde die Strafanzeige sofort zurückgezogen, sobald das Gebäude verlassen werde. Es sei mit der Polizei abgesprochen, dass Personalien aufgenommen, jedoch niemand festgenommen würde.

Nach den ergebnislosen Diskussionen sieht Ortsbeiratschefin Anette Niemeyer (Aufbruch 09) weiteren Verhandlungsbedarf: „Wir können das nicht am Fenster klären, sondern brauchen eine vernünftige Gesprächsebene.“ Es reiche nicht, nur mit Studentenwerk und Besetzern zu sprechen. Um alternative Standorte zu finden, müssten Uni und Bildungsministerium mit an den Tisch. Der Ortsbeirat will das Ensemble aus Elisabethheim, Nachbargebäuden und Park unter Denkmalschutz stellen lassen.

Kommentar von Katrin Zimmer: Beide müssen sich bewegen
Egal, wie das Tauziehen um das alte Elisabethheim ausgeht, so kann es nicht weitergehen. Zum einen ist eine illegale Hausbesetzung nicht die richtige Lösung, zudem wird es auch stetig kälter und unmenschlicher in der alten Ruine. Kaum auszudenken, wenn bei dieser Aktion jemand ernsthaft zu Schaden käme. Doch angesichts der Angebote des Studentenwerks – die Anzeige fallen zu lassen und zumindest einen Teil der Betty zu erhalten – lenken die Besetzer wohl noch lange nicht ein. Sicher auch, weil keiner weiß, welches Wort am Ende gehalten wird. Da lobe ich mir den Vorschlag von Anette Niemeyer, mit allen auf Augenhöhe weiterzureden und die Gespräche schriftlich festzuhalten. Dazu müssten aber auch die Besetzer herauskommen und mit echten Argumenten und konstruktiven Vorschlägen, was sie mit dem Gebäude anfangen wollen, aufwarten – und gehört werden.

 

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