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Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. November 2017 | 03:08 Uhr

Rostock Bramow : Kläranlage öffnet heute ihre Türen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Familientag in der Carl-Hopp-Straße bietet Einblicke in die Rostocker Abwasserbeseitigung. Neues Buch widmet sich der Geschichte.

von
erstellt am 10.Sep.2016 | 09:00 Uhr

In der Zentralen Kläranlage in der Carl-Hopp-Straße wird jeden Tag das Abwasser von 240 000 Rostockern sowie Einwohnern aus zwölf Umlandgemeinden aufbereitet. Wie das funktioniert, können sich Besucher heute von 10 bis 16 Uhr beim Tag der offenen Tür von den Eurawasser-Mitarbeitern erklären lassen. Anlass für das Programm mit Hüpfburg, 50 Meter hoher Hubbühne, Spezialfahrzeugen, Führungen und Spielen ist das 20. Jubiläum der modernisierten Kläranlage.

Dank ihr konnte die Belastung der Warnow um 95 Prozent reduziert werden. Flossen 1991 noch von 50 Tonnen Stickstoffeintrag 47 wieder in Rostocks Lebensader, sank dieser Wert trotz Steigerung auf 57 Tonnen Zulauf im vergangenen Jahr auf 11,5 Tonnen. Beim Phosphor bleiben nur noch 0,18 von 10,5 Tonnen übrig, 1991 waren es noch 5,6 von 6,7 Tonnen. „Aus heutiger Sicht hat die damalige mechanische Reinigung eher schlecht funktioniert“, sagt Eurawasser-Geschäftsführer Robert Ristow. Reinhard Lübker, Autor des neuen Buchs „Alles fließt. Aber wohin?“ und Ex-Geschäftsführer des Warnow-Wasser- und Abwasserverbands (WWAV), erklärt: „Eine mechanische Anlage entfernt nur Sink- und Schwebestoffe.“

Deswegen wurde die Anlage zwischen 1994 und 1996 um zwei Belebungsbecken, ein Nachklärbecken, eine nachgeschaltete Biofiltration sowie eine Anlage zur Schlammbehandlung erweitert. Auch dank dieses Ausbaus behandelt das Klärwerk heute nicht nur das Abwasser der Privathaushalte, sondern auch der Industrie und seit 2012 zusätzlich der Kreuzfahrtschiffe. „Da ist Rostock wirklich Vorreiter“, sagt Ristow. Außerhalb der Zwölf-Meilen-Zone dürften die Ozeanriesen ihr Abwasser zwar legal und kostenfrei ins Meer leiten, in der Hansestadt wurden die Kosten aber bereits in den Preis für den Liegeplatz integriert. Gezahlt werden muss also so oder so. Allein im vergangenen Jahr ließen 175 Schiffe 26 400 Kubikmeter Grauwasser ab. „Wir sind beispielhaft für andere Häfen, die jetzt nachziehen“, so Ristow.

Beispielhaft sei auch der Grad der Selbstversorgung über das 2009 gebaute Blockheizkraftwerk. Es nutzt den Klärschlamm, um daraus Gas für die Energiegewinnung zu erzeugen. „Wir können so rund 95 Prozent des Wärmebedarfs und 75 Prozent des Stromverbrauchs decken“, erklärt der Geschäftsführer. Und auch auf anderen Feldern habe Rostock vorgelegt. Unter anderem entwickelten der Eurawasser-Mutterkonzern Remondis und die Uni Rostock ein mittlerweile patentiertes Recyclingverfahren für Phosphor.

Aktuelle Herausforderung sei die Entsorgung von Arzneimittelrückständen, Hormonen, Mikroplastik oder Klärschlamm. Dabei sei der Ansatz beim Verursacher häufig deutlich effizienter, so Ristow. Eine Rücknahmepflicht für Medikamente in Apotheken beispielsweise könne die Entsorgung über die Kloschüssel stark reduzieren.

Das Buch „Alles fließt. Aber wohin?“ ist im Verlag Redieck und Schade erschienen und heute beim Tag der offenen Tür erhältlich.

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