Kindesmissbrauch: Polizist vor Gericht

Bestreitet die Vorwürfe:  der angeklagte H. mit seinem Rechtsanwalt Jan MittelstädtDana Bethkenhagen
Bestreitet die Vorwürfe: der angeklagte H. mit seinem Rechtsanwalt Jan MittelstädtDana Bethkenhagen

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27. September 2012, 07:24 Uhr

Güstrow | Ein im Osten des Landkreises wohnender Polizist ist wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern in insgesamt vier Fällen und dem Besitz massenhafter kinderpornografischer Dateien angeklagt. Seit gestern muss sich der 46-jährige Beamte dafür vor dem Rostocker Landgericht verantworten. Zum Prozessauftakt bekam er vor der Anhörung der beiden Jungen als Zeugen die Möglichkeit, sich selbst zu den Tatvorwürfen zu äußern. Der Angeklagte bestreitet die Taten.

Von Januar 2010 bis zum 8. Mai 2012 soll der in Güstrow eingesetzte Streifenpolizist H. einen schlafenden Jungen im Alter von 12 oder 13 Jahren teilweise entkleidet und oral befriedigt haben. Darüber hinaus wird ihm vorgeworfen, einem 15-Jährigen die Hose heruntergezogen und ebenfalls Oralverkehr ausgeführt zu haben. Der Angeklagte berichtete dem Gericht, dass er die beiden Jungen von Klassenfahrten kenne, die er als Betreuer begleitet habe. Später seien sie häufiger als Gäste in seinem Hause gewesen. Sie hätten dann entweder im Gästezimmer oder im Zimmer seines Sohnes geschlafen. H. berichtete weiter von einer Situation, in der er einmal nach einem Sportwettbewerb einem der beiden Jungen und auch seinem Sohn abends die Beine massiert habe. Die Jungen sexuell missbraucht zu haben, bestreitet der angeklagte Polizist.

Über eine Stunde lang beschrieb er die Charaktere der Minderjährigen und berichtete über jede Kleinigkeit, die er in den Schulferien mit den Kindern unternahm. Der Vorsitzende Richter unterbrach den 46-Jährigen mit den Worten: "Ich warte darauf, dass sie uns erklären, wie die Jungen zu den Beschuldigungen kommen. Sie haben vor der Polizei ausgesagt und sind von der psychiatrischen Sachverständigen begutachtet worden. Wie stehen Sie dazu?" Der Angeklagte antwortete, dass er keinen der beiden Jungen sexuell belästigt habe. "Die Jungen haben das alles geträumt", sagte der Angeklagte. Eine andere Erklärung habe er nicht für das Verhalten der Jungen, möglicherweise wollten sie nur Aufmerksamkeit erringen. Ihre Berichte würden nicht den Tatsachen entsprechen. Bei dem Angeklagten wurden kinderpornografische Dateien gefunden.

Nach den Ausführungen von H. wurde die Öffentlichkeit des Gerichtssaals verwiesen. Auf Antrag der Nebenklägervertreterin, die Rostocker Anwältin Beate Falkenberg, die die Interessen der betroffenen Familien vertritt, beschloss die 2. Strafkammer den Ausschluss der Öffentlichkeit während der Zeugenbefragung der beiden Jungen sowie während des Vortrages der Sachverständigen, um schutzwürdige Interessen der Kinder nicht zu gefährden.

Seit 1992 ist der Angeklagte im Polizeidienst tätig. Seit Mai 2012 sitzt er in Untersuchungshaft. Fortgesetzt wird der Prozess heute um 9 Uhr. Mit einem Urteil ist Mitte Oktober zu rechnen.

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