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Norddeutsche Neueste Nachrichten

19. Oktober 2017 | 11:11 Uhr

Rostock : Kinderlachen dank Klinik-Nannys

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Studenten kümmern sich ehrenamtlich um kleine Patienten im Rostocker Krankenhaus und entlasten damit Eltern und Personal

von
erstellt am 02.Okt.2015 | 12:00 Uhr

„Wenn ein Kind im Bett sitzt und weint, dann tut mir das richtig im Herzen weh“, sagt Jana David. Zusammen mit etwa 30 Kommilitonen der Initiative „Tommy nicht allein“ kümmert sich die Medizinstudentin um hilfsbedürftige kleine Patienten in der Rostocker Kinderklinik. Sie spielen mit den Kleinen, lesen ihnen Geschichten vor und schenken ihnen viel Zuwendung.

„Die Schwestern können dafür oft nicht so viel Zeit aufbringen, wie sie wollen“, sagt Josephyn Müller. Mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit als Klinik-Nannys wollen die Studenten deswegen nicht nur die Kinder vom Krankenhausalltag ablenken, sondern auch das Personal unterstützen und die Eltern entlasten. „Die müssen mit ihren Gefühlen auch mal irgendwo hin“, sagt Müller. Und sie seien dankbar für die angebotene Nachmittagsbetreuung. Diese ermögliche es ihnen beispielsweise, liegen gebliebene Einkäufe zu erledigen oder einfach mal selbst trauern zu können. „Eine Mama hat zum Beispiel alle ihre Termine abgesagt, um mal richtig zu weinen“, sagt Müller.

Den Kontakt zu der Initiative stellt das Klinikpersonal nur bei Bedarf und Wunsch der Eltern her. Dann kann es aber schon mal schnell gehen. „Unsere Mitglieder müssen sehr flexibel sein, zum Teil werden sie innerhalb von nur einer Stunde gebraucht“, sagt Wiebke Lühder, die sich zusammen mit David und Müller um die Organisation kümmert. Feste Zuordnungen der Mitglieder zu den Kindern gibt es nicht. Wer Zeit hat, meldet sich. Für die größtenteils Medizinstudenten ist diese lockere Form der Betreuung kein Problem: „Wir kennen es aus unserem Studium, dass wir keine zu enge Beziehung zu den Patienten aufbauen dürfen“, sagt Müller. Was nicht heiße, dass sie die Kinder nicht in den Arm nehmen würden, wenn diese das von sich aus einfordern, oder dass sie einen nochmaligen Besuch ablehnen, wenn die Eltern sie darum bitten. Noch sind nur einige Stationen in das Angebot eingebunden. „Unser großes Ziel ist es, dass jede Schwester weiß, wer wir sind und wie sie uns kontaktieren kann“, sagt Lühder. Aber aufdrängeln wollen sich die Mitglieder nicht.

Ursprünglich entstanden ist die Initiative wegen Tommy. Während eines Krankenhausaufenthalts besuchten seine Eltern ihn irgendwann kaum noch. Vier Medizinstudenten, die dort gerade ein Praktikum absolvierten, ging das traurige Schicksal des weinenden Jungen so nahe, dass sie im zurückliegenden Sommersemester die Gruppe Tommy nicht allein gründeten. Die Resonanz der Kommilitonen war riesig, sodass seitdem auch andere Kinder betreut werden können. Mitmachen können aus Versicherungsgründen nur Studenten. Ihr Lohn: „Wenn man geht, weiß man, dass man einem Kind den Nachmittag versüßt hat“, sagt Lühder.

Kontakt: tna.rostock@gmail.com

 

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