Kind vom Balkon gefallen - Prozessbeginn in Rostock

Der Angeklagte Karsten T. wird am Donnerstag mit Hand- und Fußfesseln in den Verhandlungssaal des Landgerichts Rostock geführt. Foto: dpa
Der Angeklagte Karsten T. wird am Donnerstag mit Hand- und Fußfesseln in den Verhandlungssaal des Landgerichts Rostock geführt. Foto: dpa

svz.de von
29. Juni 2012, 07:33 Uhr

Nach dem Sturz seiner kleinen Tochter aus dem dritten Stock eines Plattenbaus im Rostocker Stadtteil Groß Klein muss sich der Vater seit Donnerstag vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Totschlag vor. Der 43-Jährige soll das dreijährige Mädchen laut Anklage am 11. Januar dieses Jahres in Tötungsabsicht vom Balkon geworfen haben.

Das Kind erlitt wie durch ein Wunder lediglich Schürfwunden, Blutergüsse und Prellungen. Äste eines etwa eineinhalb Meter entfernt von der Hauswand stehenden Baumes milderten den Sturz aus acht Metern. Passanten hatten das Mädchen schreiend auf dem Rasen vor dem Mehrfamilienhaus gefunden.

Die Zeugen - ein Ehepaar, das auch in dem Mehrfamilienhaus wohnt, und eine zufällig vorbeilaufende Passantin - gaben an, ein Wimmern gehört zu haben. Daraufhin fanden sie das Mädchen vor dem Haus liegen. Es habe an diesem kalten Januartag lediglich eine kleine, weiße Strumpfhose, ein kurzärmliges T-Shirt und keine Schuhe angehabt. Die Zeugen erklärten, dass das Mädchen noch auf dem Rasen liegend gesagt habe: "Papa hat mich vom Balkon geschmeißt."

Das Ehepaar gab weiter an, kurz zuvor lauten Krach aus der Wohnung von Vater und Tochter gehört zu haben. Es habe geklungen, als würden Möbel umhergeworfen. Das Kind soll auch "Papa, Papa, hör auf", gerufen haben.

Nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft waren bei der kriminaltechnischen Untersuchung keine Anhaltspunkte dafür gefunden worden, dass die Dreijährige selbst auf die Balkonbrüstung geklettert und von dort heruntergefallen ist. Der Mann sei mit dem Kind allein in der Wohnung und weder alkoholisiert noch unter Drogeneinfluss gewesen. Die Mutter lebte getrennt. Die Wohnung der beiden war demnach in einem ziemlich verwahrlosten Zustand.

Der Angeklagte selbst sagte zunächst nichts, seine Verteidigung argumentierte im Prozess, ihr Mandat habe zur angeblichen Tatzeit einen Zuckerschock gehabt. Das hätten seine Eltern auch bei der Polizei zu Protokoll gegeben. Während er sich nicht bewegen konnte, müsse das Kind auf einen Baum vor dem Balkon geklettert und von dort heruntergefallen sein.

Es sind noch fünf weitere Verhandlungstermine anberaumt. Dabei ordnete der Vorsitzende Richter für den kommenden Verhandlungstag (16. Juli) einen Ortstermin an, um das Geschehen rekonstruieren zu können. Dabei soll geklärt werden, ob das kleine Kind auf den Baum klettern konnte, und ob die Wohnungswände dünn genug sind, um Geschrei aus Nachbarwohnungen zu verstehen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen