MV fehlen Brummi-Fahrer : Keinen Bock auf Bock - Fahrermangel

 <strong>Volle Konzentration bei der Ausbildung:</strong> Vachagan Adamyan (vorn) ist gegenwärtig im Verkehrsausbildungszentrum Torgelow in der Außenstelle Neubrandenburg dabei, seinen Lkw-Führerschein unter Anleitung von Fahrlehrer Roland Leu zu erwerben. <foto>Udo Zander</foto>
Volle Konzentration bei der Ausbildung: Vachagan Adamyan (vorn) ist gegenwärtig im Verkehrsausbildungszentrum Torgelow in der Außenstelle Neubrandenburg dabei, seinen Lkw-Führerschein unter Anleitung von Fahrlehrer Roland Leu zu erwerben. Udo Zander

Mecklenburg-Vorpommern fehlen rund 500 Brummi-Fahrer: Bei der Suche nach qualifizierten Lkw-Fahrern steigt die Nachfrage von Speditionen bei den Ausbildern. Doch vergebens. Der Verband beklagt das schlechte Berufsimage.

svz.de von
18. Juli 2012, 08:11 Uhr

Torgelow | Sie rufen aus Hamburg an, aus Bremen und Hannover: Im Verkehrsausbildungszentrum (VAZ) Torgelow (Landkreis Vorpommern-Greifswald) klingelt unaufhörlich das Telefon. Spediteure aus dem ganzen Norden hoffen, bei dem Ausbilder in Mecklenburg-Vorpommern frisch qualifizierte Lkw-Fahrer zu finden. "Wir können den Bedarf derzeit jedoch nicht abdecken", bedauert VAZ-Geschäftsführer Wolfgang Brandt.

Im Jahr bildet sein Unternehmen rund 280 Kraftfahrer aus. Sechs Lkw und zwei Busse sind beim VAZ ständig im Einsatz. Die Zahl der Teilnehmer ist jedoch rückläufig, wie Brandt erzählt. Der Beruf habe an Attraktivität eingebüßt. "Früher waren Lkw- oder Busfahrer stolz auf ihren Beruf. Heute ist das schwierig", weiß der Geschäftsführer. Hinzu komme, dass sich Privatpersonen die Ausbildung mit Führerschein und entsprechender Prüfung finanziell kaum leisten könnten. Wenn sich die gesetzlichen Bedingungen nicht änderten und es nicht mehr Unterstützung gebe, werde der Fahrermangel noch weiter zunehmen, befürchtet Brandt.

Mehr gesellschaftliche Anerkennung - das wäre nach Ansicht von Manfred Ruprecht notwendig, um gegenzusteuern. Der Vorsitzende der Fachvereinigung Güterverkehr des Landes Mecklenburg-Vorpommern schätzt den aktuellen Bedarf an Lkw-Fahrern im Nordosten auf rund 500. "Der Beruf wird heute vor allem mit Stau und Lärmbelästigung in Verbindung gebracht. Dabei transportieren die Fahrer nur das, was die Volkswirtschaft benötigt und der Kunde bestellt hat", sagt Ruprecht. Den zunehmenden Nachwuchsmangel führt er auch auf die wachsenden Transportmengen und das steigende Durchschnittsalter der Fahrer zurück. Da rüber hinaus habe der Kontrolldruck merklich zugenommen. "Die Fahrer werden schon sehr drangsaliert."

Die Politik müsse die Verkehrsinfrastruktur so ausbauen, dass beispielsweise Transporte durch Ortslagen vermeidbar seien, fordert der Vorsitzende. Auch die Unternehmen müssten sich bewegen. "Ich kann nur empfehlen, gemeinsam mit den Arbeitsagenturen die betriebliche Ausbildung von Arbeitslosen voranzutreiben", sagt Ruprecht. Er selbst habe damit gute Erfahrungen gemacht. Bei der Bezahlung sei in den vergangenen Jahren in den Speditionen aber schon "einiges passiert".

Dennoch gelten die Arbeitsbedingungen weiterhin als unattraktiv, wie auch der Tüv Rheinland in einer aktuellen Umfrage unter 250 kleinen, mittleren und großen Speditionsbetrieben in Deutschland festgestellt hat. Als Minuspunkte wurden weiterhin genannt: hohe Führerscheinkosten und schlechtes Image. Der Umfrage zufolge fehlen derzeit in 75 Prozent der Firmen ein bis drei Fahrer, bei jedem vierten Logistikbetrieb sind es mehr als fünf. Der Tüv verwies auf eine hohe psychische und körperliche Belastung in dem Job.

Das bestätigt Dr. Hartmut Brauer, Chefarzt der KMG Klinik Silbermühle in Plau am See. Berufskraftfahrer gehören neben Polizisten, Bauarbeitern und Fluglotsen zu den Berufsgruppen mit einem besonders großen Herzinfarktrisiko - das leitet der Mediziner aus den Daten seiner Reha-Patienten ab. Seine Erklärung: "Kraftfahrer sind chronischem Stress ausgesetzt, und der führt zu einer messbaren Veränderung bei der Blutgerinnung - und die begünstigt die Entstehung eines Herzinfarktes."

Der Tüv Rheinland warnt bereits vor Gefahren durch überarbeitete und gestresste Fahrer im Straßenverkehr. Er schlägt deshalb Zuschüsse für Betriebe vor, die den Fahrernachwuchs aktiv fördern.

Manchmal ist es allerdings auch trotz guter Ausbildung schwierig, die Bedürfnisse von Unternehmen und Fahrern unter einen Hut zu bekommen, wie Wolfgang Brandts Frau Marina erzählt, die in der Verwaltung des VAZ arbeitet. Manche Fahrer wollten gern nur in Heimatnähe arbeiten. "Rund um den Kirchturm" seien aber kaum Stellen zu finden. Auf der anderen Seite gebe es manchmal auch noch Betriebe, die nicht gern Berufsanfänger einstellten - und deshalb unnötigerweise auf hoch motivierte Fachkräfte verzichteten.

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