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25. November 2017 | 03:20 Uhr

Kein Spielraum für Extremisten

vom

svz.de von
erstellt am 20.Aug.2012 | 10:26 Uhr

Rostock | Am kommenden Wochenende wird Bundespräsident Joachim Gauck zu den Gedenkfeierlichkeiten zum 20. Jahrestag der ausländerfeindlichen Randale von Rostock-Lichtenhagen erwartet. Die Erinnerung an diese dramatischen Tage ist allgegenwärtig.

Die ausländerfeindlichen Übergriffe von Rostock-Lichtenhagen 1992 wirken nach Worten von Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) bis heute nach. "Lichtenhagen ist in die Erinnerung eingebrannt, ebenso wie Solingen, Mölln oder Hoyerswerda. Das gehört zu einer Kette von Ereignissen, die hätten vermieden werden müssen", sagt Methling. Solche unhaltbaren Vorgänge müssten in erster Linie als permanente Signale zum Wachrütteln gesehen werden. "Es darf keinen Spielraum für Extremisten geben."

Im August 1992 war es zu Krawallen vor der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber im Stadtteil Lichtenhagen gekommen. Meist Rechtsradikale warfen unter dem Beifall von mehreren tausend Schaulustigen Steine und Brandsätze auf einen angrenzenden Häuserblock. Dort lebten hauptsächlich Vietnamesen. Mehr als 150 Bewohner konnten sich erst in letzter Sekunde retten.

Lichtenhagen hat laut Methling gezeigt, wie verletzlich die Gesellschaft ist. Ein Beispiel dafür habe es jüngst im Stadtteil Evershagen bei der Diskussion um das Projekt Interkulturelle Gärten gegeben, bei dem sich Ausländer und Einheimische gemeinsam um eine Gartenanlage kümmern sollen. "Das Projekt wurde massiv torpediert - auch mit Sprüchen zu Ausländern, die ich so nicht mehr für möglich gehalten habe", bedauerte Methling. Diese Emotionen hätten stark an Lichtenhagen erinnert.

Trotzdem habe Rostock seine Lektion aus den dramatischen Vorgängen des Jahres 1992 gelernt, ist sich Methling sicher. "Rund 40 Vereine mit mehr als 100 Projekten widmen sich dem Thema Integration." Mit der Einrichtung eines Migrantenbeirats und des Migrationsbeauftragten habe die Stadt eine bundesweite Vorreiterrolle übernommen. Ein weiteres Beispiel sei die Unterstützung der islamischen Gemeinde bei der Suche nach einem neuen Standort für eine Moschee und die finanzielle Hilfe beim Architekturwettbewerb "Rostocker Moscheenbau". "Wir fördern die Dinge, die unsere multikulturelle Gesellschaft in Rostock ausmachen", sagt der Oberbürgermeister.

Nach Ansicht des Geschäftsführers des städtischen Migrantenrats, Ruben Cardenas, haben die Bemühungen der Stadt bei der Bekämpfung des Rechtsextremismus Früchte getragen. Das Leben für Ausländer sei im Vergleich zu anderen Städten Mecklenburg-Vorpommerns sicherer. Er führt dies auf das eng geknüpfte antirassistische Netzwerk zurück, das in den vergangenen Jahren aufgebaut wurde. Allerdings gebe es auch in Rostock immer wieder Übergriffe auf Ausländer.

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