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Norddeutsche Neueste Nachrichten

19. November 2017 | 06:07 Uhr

Forschung in Rostock : Kautschuk aus Löwenzahn

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Groß Lüsewitzer Wissenschaftler des Julius Kühn-Instituts suchen natürliche Alternative zum Baum

svz.de von
erstellt am 30.Jun.2017 | 08:00 Uhr

Dass Löwenzahn weit mehr ist als nur Hasenfutter oder Salatbeilage, wissen die Forscher des Julius Kühn-Instituts in Groß Lüsewitz. Seit 2013 beschäftigen sich die Wissenschaftler um Projektleiterin Dr. Brigitte Ruge-Wehling intensiv mit der Pflanze, aus der Kautschuk gewonnen werden kann. „Die Idee ist schon ziemlich alt. In den 30er-Jahren fand man heraus, dass in den Wurzeln des Russischen Löwenzahns Kautschuk ist. Aber dann wurden die Forschungen erst mal nicht weitergeführt“, sagt Ruge-Wehling. Zusammen mit sechs bundesweiten Partnern forschen die Groß Lüsewitzer an einer Alternative zum asiatischen Kautschukbaum, der bisher einzigen natürlichen Quelle für den Rohstoff.

„Wir versuchen hier, die Merkmale in dieser bisher wenig bearbeiteten Pflanzenart zu verbessern“, erklärt Helge Flüß, wissenschaftlicher Mitarbeiter. Dafür schauen sie sich verschiedene Merkmale des Löwenzahns an, der ursprünglich in Kasachstan und dem Tian Shan-Gebirge beheimatet ist. Aus den gewonnenen Daten entwickeln die Wissenschaftler sogenannte molekulare Werkzeuge, die die Züchtung auf wertvolle Eigenschaften wie Krankheitsresistenz, Wurzelertrag und Kautschukgehalt beschleunigen können. Die Herausforderung dabei: Die hohe genetische Variabilität des Russischen Löwenzahns, die schon mit bloßem Auge zu erkennen ist, optimal nutzen. So unterscheiden sich die Pflanzen zum Beispiel in der Länge und Breite der Blätter und den verschieden ausgeprägten Zähnungen.

Auf den Versuchsfeldern in Groß Lüsewitz wird zudem die Anbautechnik verbessert. „Hierbei wollen wir Fragen wie zur Aussaatdichte und Düngung beantworten“, erklärt Helge Flüß. „Der Vorteil des Russischen Löwenzahns ist, dass er wenig Ansprüche an den Boden stellt, im Frühjahr gesät und Ende Oktober desselben Jahres geerntet und verarbeitet werden kann. Beim Kautschukbaum dauert es ungefähr sieben Jahre“, weiß Brigitte Ruge-Wehling.

Obwohl der Russische Löwenzahn grundsätzlich schon heute anbaufähig ist, werden die Züchtungsforscher in Groß Lüsewitz bis mindestens Ende 2019 an der Verbesserung dieser Kulturart forschen.

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