zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. September 2017 | 20:57 Uhr

Katzenhalter reagieren auf neue Pflicht

vom

svz.de von
erstellt am 16.Jun.2013 | 05:29 Uhr

Rostock | Ob Kater oder Katze: Freigängern ab dem sechsten Lebensmonat steht in Rostock die Kastration bevor. Seitdem die Stadt am 23. Mai die so genannte Kastrations- und Kennzeichnungspflicht von Freigängerkatzen erlassen hat, atmen Tierschutzvereine und Tierheim auf: So auch Tierheim-Mitarbeiterin Anja Neugebauer. Denn gerade in letzter Zeit seien wieder viele neue Katzen gekommen. "Die Kastrationspflicht dämmt die unkontrollierte Vermehrung von Katzen ein und schafft so Abhilfe", sagt sie.

Auch viele Katzenhalter zeigen Verständnis für die Entscheidung der Stadt und haben von sich aus ihre Tiere kastrieren lassen - so wie Christina Petersen. Ihr sechsjähriger Kater Freddie ist ein Freigänger und damit auch außerhalb des Gehöfts unterwegs. Für sie war es selbstverständlich, ihn kastrieren zu lassen. "Die Tierheime sind voll mit Katzen, warum sollen sie sich ständig vermehren?", sagt sie. Katzenbesitzerin Kirsten Wandt betont: "Als Tierhalter muss man sich seiner Verantwortung bewusst sein und sich vorher überlegen, welche Kosten auf einen zukommen können." Die neue Pflicht könne traurigen Szenarien wie ausgesetzten Jungtieren und ganzen getöteten Würfen vorbeugen, sagt sie.

Theo wird bald zur eigenen Sicherheit gechippt

Auch Elke Jägers Kater Theo (13) ist kastriert - für seine Besitzerin selbstverständlich. Die Tierschützer kämen ja gar nicht mehr hinterher, wenn sich die Tiere unkontrolliert fortpflanzen würden. Beim nächsten Tierarztbesuch will sie Theo auch chippen lassen. Sollte er mal verloren gehen, kann durch Auslesen der elektronischen Markierung leicht sein Frauchen ermittelt werden. Damit liege der reiskorngroße Chip, der ohne Narkose und schmerzfrei gesetzt werden kann, auch in ihrem Interesse, sagt Elke Jäger.

Die Stadtverordnung über die Kastrations- und Kennzeichnungspflicht soll der unkontrollierten Vermehrung, die in Hunger, Leid und Verbreitung von Krankheiten münde, einen Riegel vorgeschieben, erklärt Dr. Heike Schlößer, Amtstierärztin beim Veterinäramt. Deswegen gilt sie auch nicht nur für Freigänger. Auch diejenigen Rostocker, die Katzen regelmäßig füttern, müssen reagieren, erklärt Dr. Schlößer. "Aber da können wir Hilfe anbieten", sagt sie.

Denn diese privaten Tierschützer sind keine Einzelfälle. In der Stadt gibt es allein 208 Futterstellen für 1230 herrenlose Katzen. Die Dunkelziffer ist hoch. Nach Schätzungen von Aktion Tier kann von 3500 Straßenkatzen in Rostock ausgegangen werden. Das mache die Kastrationspflicht umso notwendiger.

Die privaten Tierschützer können einen Zuschuss bei der Stadt beantragen. Die Streuner müssen aber nicht gechippt werden. Mit einer kleinen dreieckigen Kerbe im Ohr wird gekennzeichnet, dass sie kastriert sind.

Geldstrafen bis zu 5000 Euro möglich

Die Einhaltung der Pflicht wird vom Veterinäramt kontrolliert. Schlößer und ihre Kollegen sind regelmäßig im Stadtgebiet und an den Futterstellen unterwegs und werden auch Anzeigen nachgehen. Verstöße gegen die Stadtverordnung können mit einer Geldbuße von bis zu 5000 Euro geahndet werden, erklärt Schlößer. Aber das sei nicht das Ziel. Wichtig ist es ihr, aufzuklären, wie sehr unkastrierte Streuner zum Leid der Straßenkatzen beitragen, und dass die Kastrations- und Kennzeichnungspflicht besteht und verbindlich ist. "Man muss den Leuten auch eine Chance geben, das umzusetzen", sagt sie. Damit die Eindämmung der Population der Straßenkatzen gelingt, seien Kontrollen und Ahndung einfach notwendig.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen