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Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern : Kartoffelbauern auf dem Rückzug

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Raps und Mais statt Knollen: Der Anbau in MV geht seit Jahren zurück. Die Preise sind im Keller und die Landwirte leiden unter schwankenden Erlösen. Das Landwirtschaftsministerium in Schwerin will den Stand halten.

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erstellt am 25.Apr.2012 | 10:18 Uhr

Greifswald | Auf einem Acker bei Spantekow (Landkreis Vorpommern-Greifswald) zieht Udo Trittin mit einer Kartoffellegemaschine seine Runden. In einem Arbeitsgang lässt er sechs zu Dämmen geformte Reihen im Abstand von genau 75 Zentimetern hinter sich. Die Maschine ritzt die Pflanzfurche in den sandigen Boden und legt die Knollen 15 Zentimeter tief in den Boden. Abschließend werden 25 Zentimeter hohen Dämme geformt, damit die Frühjahrssonne den Boden schneller erwärmen kann.

Das Kartoffellegen wie bei der Spantekower Agrar AG ist im April eigentlich ein typisches Bild auf den Äckern in MV. Die großen ebenen Flächen und die sandigen Böden bieten ideale Voraussetzungen für den Anbau der aus Südamerika stammenden Ackerfrucht. Dennoch wird im Nordosten der Anblick der Kartoffel schläge immer seltener.

2011 wurde mit einer Anbaufläche von rund 13 600 Hektar der bisherige Tiefstand erreicht. Das entspricht gerade einmal 1,3 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche im Land. Zu DDR-Zeiten wuchsen hierzulande Kartoffeln auf mehr als 100 000 Hektar.

Damals bildeten die Knollen allerdings noch ein wichtiges Futtermittel für Schweine, das heute durch ein eiweißhaltigeres Getreide-Soja-Gemisch ersetzt ist. Nach der Umstellung der Landwirtschaftsbetriebe auf die Marktwirtschaft bis 1992 waren es noch 29 000 Hektar. Seitdem geht es im einstigen Kartoffelland beständig abwärts.

Der Kartoffelanbau erfordert viel Handarbeit und hohe Investitionen in Spezialmaschinen, ist also in der Produktion teuer. Aber vor allem sind die Erlöse großen Marktschwankungen unterworfen, die so manchem Landwirt herbe Verluste einbrachten. Und so schwenkte ein Bauer nach dem anderen auf den profitablen Raps oder neuerdings auf Mais um.

Das Landwirtschaftsministerium in Schwerin will zumindest den derzeitigen Stand halten. Es sei illusorisch zu glauben, den Kartoffelanbau ausweiten zu können, räumt Abteilungsleiter Jürgen Buchwald ein. Wer einmal ausgestiegen sei, der werde nicht noch einmal anfangen, sagt er.

Weil der Kartoffelanbau für die Agrarwirtschaft jedoch nach wie vor eine hohe Bedeutung hat, will das Land die damit beschäftigten Landwirte unterstützen. Die Möglichkeiten dafür seien aber sehr beschränkt, sagt der Abteilungsleiter. Kartoffeln anbauende Betriebe hätten bei der Vergabe von einzelbetrieblichen Förderungen und bei der Pacht landeseigener Flächen höchste Priorität.

Der Vorstandsvorsitzende der Spantekower Agrar AG, Norbert Mast, bleibt den "Tüften" jedenfalls treu. "Ich bin mit Kartoffeln in dieser Gegend groß geworden", sagt der 59-Jährige. Außerdem müsse man sich als Landwirt trotz allen Gewinnstrebens auch der Frage nach einer Nachhaltigkeit der Pflanzenproduktion stellen, was auch einen geeigneten Wechsel der Fruchtarten erfordere.

Das Risiko der schwankenden Erlöse hat Mast gedrittelt. Von den rund 6000 Tonnen Knollen, die um Spantekow herum jährlich geerntet werden, gehen jeweils rund 2000 Tonnen als Speisekartoffeln an das Kartoffelhaus Stralsund, zur Weiterverarbeitung an den Lebensmittel-Hersteller Pfanni in Stavenhagen und als Stärkekartoffeln ans Emsland-Werk Kyritz. Während die Preise für Speisekartoffeln derzeit im Keller sind, sichert die Belieferung von Stavenhagen und Kyritz zu stabilen Vertragspreisen, dass der Kartoffelanbau für das Unternehmen kalkulierbar bleibt.

"Die Zeiträume von vier bis fünf Jahren im Mittel betrachtet, sind wir trotz der Preisschwankungen mit den Kartoffeln immer gut gefahren", bilanziert Mast. Das ermöglicht auch Investitionen, die für den Kartoffelanbau unerlässlich sind.

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