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Bürgerdialog in Rostock : Kanzlerin fragt bei Schülern nach

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Angela Merkel kommt zum Bürgerdialog ins Zentrum Paul Friedrich Scheel in Rostock. Integration und Gleichberechtigung sind Schwerpunkte der Diskussion.

svz.de von
erstellt am 15.Jul.2015 | 21:00 Uhr

„Da ist sie!“ Auf einmal wird das Getuschel in der Sporthalle des Schulzentrums Paul Friedrich Scheel lauter. Vor den großen Fenstern sehen die 29 Jugendlichen drei große Wagen vorfahren, aus einem steigt die Bundeskanzlerin. Und dann ist es plötzlich mucksmäuschenstill, als Angela Merkel die Sporthalle betritt und die Schüler mit einem schlichten „Guten Tag“ begrüßt.

Die Bundeskanzlerin ist gestern nach Rostock gekommen, um mit den Schülern in einen Dialog zu treten, in einen Bürgerdialog. Denn unter dem Titel „Gut leben in Deutschland“ fragt die Bundesregierung derzeit, was den Menschen wichtig ist und was für sie Lebensqualität bedeutet. Im Internet und in Gesprächsrunden findet das statt. Die Ergebnisse werden wissenschaftlich ausgewertet.

Hinweise und Anregungen will die Kanzlerin mitnehmen, das betont sie im Gespräch mit den Jugendlichen immer wieder. Klare Absichtserklärungen oder gar Versprechen können die 14- bis 17-Jährigen nicht erwarten. „Was das eine Ziel befördert, hat immer auch Einfluss auf ein anderes“, erklärt die Kanzlerin. Entscheidungen müssten gut abgewogen werden. „Darum ist Politik so kompliziert“, sagt Merkel, als die Schüler ihre Kritik zu Themen wie Massentierhaltung und Verschmutzung der Städte zum Ausdruck bringen.

Und Politik ist nicht nur kompliziert, sie ist manchmal auch hart, gesteht Merkel wenig später, als es zum vielleicht emotionalsten Moment der etwa anderthalbstündigen Gesprächsrunde kommt. Eine Schülerin ist Palästinenserin und aus dem Libanon in die Bundesrepublik geflohen. Seit vier Jahren lebt sie mit ihren Eltern in Deutschland, doch noch immer ist nicht geklärt, ob sie bleiben können. „Ich fühle mich wohl hier, möchte studieren. Aber ich weiß nicht, was kommt. Das ist sehr unangenehm“, erzählt sie. Merkel erklärt ihr, dass nicht jeder, der nach Deutschland komme, auch bleiben könne. Nicht jeder Asylantrag sei berechtigt. „Es werden manche auch wieder zurückgehen müssen“, sagt die Bundeskanzlerin. Für das Mädchen ist das zu viel, sie beginnt bitterlich zu weinen. Merkel streicht der Schülerin tröstend über die Wange, es hilft nicht wirklich.

Wenig Aufmunterndes hat die Kanzlerin auch für den Jungen zu berichten, der offen erklärt, dass er homosexuell ist. Er fragt: „Warum werden homosexuelle Paare anders behandelt? Warum sind sie von Ehe und Adoption ausgeschlossen?“. Merkel dazu: „Die Ehe ist für mich die Verbindung von Mann und Frau.“ Das sei noch immer die Ansicht der Mehrheit. Wenn sich das ändern sollte, so würden sicherlich auch die Gesetze angepasst, erklärt Merkel und fragt in die Runde, ob denn alle für die Homo-Ehe seien. „Ja“, kommt es zurück. Die nachfolgende Generation scheint sich da einig zu sein.

Das Schulzentrum Paul Friedrich Scheel besteht aus einer integrativen Grundschule sowie einem Förderzentrum für Schüler mit kognitiven und körperlichen Beeinträchtigungen. Klar, dass den Schülern das Thema Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderung am Herzen liegt. Merkel erklärt, sich verstärkt dafür einsetzen zu wollen. Sie nimmt die Hinweise mit.

Die Schüler hatten sich in Workshops intensiv auf das Gespräch mit der Kanzlerin vorbereitet. Sie konnten sich bei Interesse freiwillig dazu melden. Die Schule war auf Vorschlag der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung für den Bürgerdialog ausgewählt worden.

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