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Norddeutsche Neueste Nachrichten

19. Oktober 2017 | 23:58 Uhr

Rostock : Kampfkater kommt an Leine

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Urteil: Jana C. muss ihrem angriffslustigen Whisky Brustgeschirr anlegen

svz.de von
erstellt am 19.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Ein merkwürdiger Fall, der die Bewohner der Neustrelitzer Straße, besonders die Hundefreunde, seit Monaten in Atem hält, ist gestern vor dem Amtsgericht verhandelt worden. Es geht um den 17-jährigen Kater Whisky und seine Besitzerin Jana C. (53). Die Anwohner nennen das Tier nur noch „Kampfkater“.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigte Jana C. der fahrlässigen Körperverletzung, weil sie zuließ, dass ihr Kater am 30. Mai 2016 den Tierarzt Dr. Jörg L. und seinen Hund anfiel und verletzte sowie am 16. Juni den Hund der Zeugin Daniela H. angriff. Von der Hundebesitzerin zur Rede gestellt, sei Jana C. mit einem Regenschirm auf sie losgegangen, hieß es in der Anklageschrift.

„Ich war gegen 17 Uhr unterwegs und sah eine Frau am Straßenrand stehen, als plötzlich etwas aus dem Gebüsch raus schoss und mich ansprang“, berichtete der Tierarzt. Es war der Kampfkater, von dem der Arzt schon gehört hatte, sagt er. „Er zerkratzte mir die Beine. Ich schleuderte ihn fort. Dann sprang er auf meinen Hund, biss und kratzte ihn. Es sah schrecklich aus. Ich hatte große Mühe, den Kater von meinem blinden Hund zu trennen“, fuhr Jörg L. fort. Die Herrin des Katers hätte tatenlos zugesehen, obwohl sie aufgefordert worden war, das bissige Tier zu entfernen, sagte der Tierarzt. Seine Verletzungen wurden ärztlicherseits und durch Fotos bestätigt. Er habe auch eine Auffrischungsimpfung gegen Tetanus bekommen, berichtete er.

„Das alles ist völlig übertrieben“, sagte die Angeklagte. „Der Kater hat den Zeugen nicht angegriffen, aber er mag keine Hunde.“ Sie hätte gewusst, wenn sie eingreife, dann wäre sie selbst verletzt worden, fügte Jana C. hinzu. Und im Übrigen hätte der Tierarzt einen anderen Weg gehen können, da er ja das Verhalten ihres Katers kannte. Nun reichte es der Vorsitzenden Richterin: „Sie sind für ihren Kater verantwortlich und müssen ihn an der Leine führen. Seit 17 Jahren haben sie keine Versicherung.“ Das bestätigte auch die Amtstierärztin Dr. Heike Schlößer: „Frau C. ist dafür verantwortlich, dass niemand zu Schaden kommt. Er muss ein Brustgeschirr tragen.“

Der Verteidiger hatte es mit seiner Mandantin gestern nicht leicht. Ein Angebot der Staatsanwaltschaft, das Problem mit einer Geldbuße zu beenden, hatte sie kategorisch abgelehnt, aber den Vorschlag, das Verfahren mit einer Auflage von 120 gemeinnützigen Arbeitsstunden vorläufig einzustellen, nahm sie nach langer Überlegung an. Einen Umzug des Katers und seiner Herrin nach Retschow in den Landkreis im Oktober kündigte Jana C. an. „Nehmen Sie die Sache nicht auf die leichte Schulter“, warnte die Richterin.

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