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Norddeutsche Neueste Nachrichten

23. November 2017 | 19:54 Uhr

Medizin : Kampf gegen den Grünen Star

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Der neuer Leiter der Universitätsaugenklinik bringt moderne Techniken mit und träumt von der Telemedizin.

Seit Anfang Juli ist Prof. Dr. Anselm Jünemann Direktor der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde an der Unimedizin Rostock. Der in Münster geborene Augenarzt ist Spezialist für Glaukome – den Grünen Star – und war zuletzt als geschäftsführender Oberarzt an der Uni-Augenklinik Erlangen tätig. Jünemann tritt die Nachfolge von Prof. Dr. Rudolf Gut¬hoff an. Dieser leitet nun kommissarisch das Institut für Biomedizinische Technik in Warnemünde.

Von den Bergen ans Meer – für den neuen Direktor ein willkommener Wechsel: „Die See habe ich immer gemocht“, so der 52-Jährige. Einen positiven ersten Monat habe er hinter sich, so der Augenarzt. „Ich wurde mit offenen Armen von meinem neuen Team empfangen.“

Nun wolle er das Rostocker Haus zu einem konkurrenzfähigen „Leuchtturm der Augenheilkunde“ ausbauen: „Unsere Klinik bietet künftig das gesamte Spektrum der Augenheilkunde an, mit Verfahren, die individuell an die Bedürfnisse angepasst werden. Dafür sind wir Ansprechpartner für alle niedergelassenen Ärzte, die ihre Patienten an uns überweisen können.“ Die bisherigen Schwerpunkte bleiben dabei erhalten. „In Bereichen wie der Netzhaut-, Tumor- und Katarakt-Chirurgie und auch in der konservativen Augenheilkunde haben wir tolle Experten vor Ort.“

Daneben soll künftig die Glaukom-Chirurgie mit neuen minimalinvasiven Technologien ausgebaut werden: „Augen sind nicht für Tropfen gebaut“, so der Spezialist. „Wir können den Grünen Star zwar nicht wegoperieren, aber den Augeninnendruck normalisieren.“ Seinen Fokus legt Jünemann darüber hinaus auch auf Kinderchirurgie, moderne Techniken der Hornhaut-Chirurgie und den Einsatz von Lasern. „Trotzdem bleibt die beste Operation die, die man nicht machen muss", sagt er.

Um fundierte Diagnosen zu stellen, soll langfristig der Bereich der Telemedizin ausgebaut werden. „In der Augenheilkunde ist es nicht zwingend notwendig, dass Patienten einen langen Weg auf sich nehmen, um zu uns zu kommen“, so Jünemann. „Stattdessen können wir heute per Video und Foto klare Aussagen treffen.“ Auch für den Ausbau eines Kur-Angebots für Menschen mit chronischen Augenkrankheiten interessiert er sich. Rostock, direkt an Fluss, Hafen und Meer gelegen, biete dafür beste Voraussetzungen.

Während heutzutage die Erkrankungen der Augen in der alternden Bevölkerung deutlich zunähmen, mache man auch in der Forschung große Fortschritte: „Die Patienten erholen sich schneller von Operationen. Zum Teil können wir die Eingriffe unter Lokal-Betäubung durchführen, ohne dass ein langer Krankenhausaufenthalt notwendig wird.“ Um weiterhin und auch auf internationaler Ebene neue Erkenntnisse zu etablieren und bessere Materialien zu entwickeln, will Jünemann außerdem ein Studienzentrum aufbauen. „Ohne Sehen geht es nicht. Wir müssen uns darum bemühen, dass wir auch im Alter noch gut gucken können.“ Ärzte, Pfleger und Patienten sollen daher auf regelmäßigen Weiterbildungen auf den neuesten Stand gebracht werden. „Auch unseren angehenden Ärzten möchte ich zeigen, dass die Augenheilkunde ein fantastisches Feld ist“, sagt Jünemann. Zwar gelte sie bei vielen als kleines Fach, bei dem man gut „auf Lücke lernen“ könne, dennoch sollten Studenten das Wichtigste mitnehmen: „Wenn sie später bei Kindern ein Schielen erkennen können und einen verschleppten Glaukomanfall nicht für einen Magenkrampf halten, bin ich zufrieden", sagt der Mediziner.

Jünemann studierte in seiner Heimatstadt Münster und kam 1989 als Assistenzarzt nach Erlangen. Dort erfolgte 1995 die Anerkennung als Facharzt für Augenheilkunde.


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