Rostock : Kältebus versorgt Obdachlose

Mit dem Caravan ist Streetworker Erik Niemierski täglich unterwegs, um Obdachlose zu betreuen. Fotos: Kazi
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Mit dem Caravan ist Streetworker Erik Niemierski täglich unterwegs, um Obdachlose zu betreuen. Fotos: Kazi

Sozialarbeiter und Ehrenamtliche unterstützen täglich Bedürftige ohne festen Wohnsitz mit Essen, Kleidung und Gesellschaft

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19. Januar 2016, 12:00 Uhr

Es ist noch stockdunkel, als sich der Kleinbus in Bewegung setzt. Dunkel und kalt, denn das Thermometer zeigt Minusgrade an. Trotzdem sitzen Streetworker Erik Niemierski, die ehrenamtliche Helferin Michaela Müller und Praktikantin Moni gut gelaunt im Caravan des Straßensozialdienstes für Obdachlose – kurz Kältebus. Los geht es um acht Uhr, meist zu festen Anlaufpunkten in der Stadt. „Inzwischen kennt man die Stellen, an denen sie sich aufhalten“, sagt Niemierski. „Wir haben viele feste Klienten“, wie er die Obdachlosen nennt.


2000 Rostocker haben keinen festen Wohnsitz


„Statistiken gehen deutschlandweit von 0,7 bis 0,8 Prozent der Einwohner aus“ – für die Rostock schätze er die Zahl der Personen ohne festen Wohnsitz auf etwa 2000 – von einer Dunkelziffer mal abgesehen. Dabei müsse man klar zwischen Obdach- und Wohnungslosen unterscheiden: „Wohnungslos ist jemand, wenn ihn eine Zwangsräumung ereilt“, sagt Niemierski. Wer dann bei Freunden oder der Familie unterkomme, sei zwar wohnungs-, aber nicht obdachlos.

An einer abgelegenen Straße hinter dem Hauptbahnhof stoppt der Sozialarbeiter der Rostocker Obdachlosenhilfe den Bus. „Wir warten hier auf Detlef und Ernst“, sagt Niemierski, während Michaela Müller zwei Thermoskannen mit Tee und Kaffee gefüllt aus dem Schrank holt. „Wir sind früh dran. Vielleicht schlafen sie noch“, sagt sie. Aber dann kommen sie: der 58-jährige Detlef, dann der 62-jährige Ernst. „Was wollt ihr essen? Hühnersuppe oder Ravioli?“, fragt Müller. „Wat ihr habt“, sagt Detlef. Essen, Getränke, warme Kleidung, Schlafsäcke – finanziert werden die Dienste des Kältebus-Teams mehrheitlich durch Spenden. „Dass wir ein paar Heißgetränke und eine warme Mahlzeit anbieten, ist die eine Sache“, sagt Niemierski. „Da geht es um Grundbedürfnisse. Außerdem helfen wir bei Anträgen auf soziale Hilfen und anderen Behördengängen. Für manche ist der Bürokratie-Dschungel schier unüberwindbar oder es fehlt ihnen an Kraft und Motivation“, sagt der Streetworker. Das finale Ziel sei immer, die Betreuten ins soziale Leben zurückbringen. Das sei nicht immer einfach. „Eine eigene Wohnung zu bewirtschaften, kann schwierig sein, wenn man lange Zeit nicht daran gewöhnt war, hygienisch und ordentlich mit sich und seinem Umfeld umzugehen“, sagt Niemierski. Auch wolle nicht jeder in eine Obdachlosenunterkunft einziehen. „Dort gelten eine gewisse Hausordnung, Regeln, an die sie sich halten müssen.“ Außerdem gebe es häufig Probleme mit Gewalt beim Zusammenleben vieler Menschen in einem Raum.

Die Teller sind leer. „Na Jungs, wollt ihr ’ne Runde?“, fragt Niemierski und winkt mit einem Skatblatt. Detlef mischt den Stapel. „Klar. Ich hab’ Zeit“, sagt er und zündet eine selbst gedrehte Zigarette an. „Zu den Grundbedürfnissen gehören auch soziale Kontakte“, sagt Streetworker Niemierksi.

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