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22. November 2017 | 04:56 Uhr

Junge Positionen und ein Überblick

vom

svz.de von
erstellt am 12.Jul.2013 | 08:57 Uhr

Östliche Altstadt | Der Kunstverein zu Rostock lädt gleich zu zwei neuen Ausstellungen ein, in der Galerie Amberg sowie im Nordschiff der Petrikirche. Dabei bietet die eine Schau zwei frische junge Positionen, die andere einen umfassenden Überblick über das Schaffen von mehr als 20 dem Kunstverein verbundenen Künstlern.

In der Galerie Amberg 13 präsentieren sich Maria Raeuber mit Grafik und Hinrich Brockmöller mit Plastik. Überschrieben ist die Doppelausstellung mit dem Titel "Tempus tabulatim exstructum - Zeitschichtung". Beide gehören zur jungen Künstlergeneration. Raeuber ist Jahrgang 81, Brockmöller 84. Beide wurden in Rostock geboren, danach verlaufen ihre Lebenswege aber in unterschiedlicher Richtung. "Die Ausstellung soll ein Dialog, ein Kennenlernen sein", erklärt Matthias Dettmann, Vorstandsvorsitzender des Kunstvereins. Denn während Raeuber zum Studium an die Hochschule für Kunst und Design nach Halle ging und 2011 nach Rostock zurückkehrte, studierte Brockmöller an der Hochschule für Künste in Bremen.

Was Raeuber und Brockmöller nun zeigen, sind fast ausnahmslos aktuelle Arbeiten. Die sehr unterschiedlichen Methoden und Ansätze kreieren ein reizvolles Spannungsfeld. Denn während Brockmöller grobe, fast monströse Büsten zeigt, sind die Grafiken von Raeuber filigran, schwarz-weiß oder von zarter Farbigkeit. Während Brockmöllers Arbeiten eine Art schreiendes Aufgewühltsein ausstrahlen, reizen Raeubers Bilder durch leise Poesie.

Raeubers Bilder entstehen in Reihen, an deren Ende ein Ergebnisbild steht, wie sie selbst erklärt: "Ich bin wie ein Mathematiker, der seine Gleichung offenlegt. Jede Reihe ist wie ein Forschungsweg." Dabei blickt sie vor allem in ihre eigene Gedankenwelt und verleiht ihren Gefühlen mit Hilfe sehr wandelbarer Formensprache auf dem Papier Ausdruck. Brockmöllers Büsten scheinen wie Geister aus einer fernen Vergangenheit. Mit Legionärshelm und Lorbeerkranz sind sie Relikte, an denen der Zahn der Zeit genagt hat. Hier und da platzt die Oberfläche auf und legt Wirbelsäule oder Speiseröhre frei. Seine auf biedere Sockel gesetzten Plastiken aus Bronze, lackiertem Aluminium oder Gips, die auf durch derbe Decken verhüllten Podesten stehen, schwanken zwischen Komik und Gruselkabinett.

Die Ausstellung in der Petrikirche trägt den Titel "Land Strich - Kompatibel - Mecklenburg-Vorpommern" und vereint alles, was im weitesten Sinne Stadt- und Naturlandschaften der Region abbildet. Malerei, Grafik und Fotografie von jungen und gestandenen Künstlern hängen hier beieinander. Die Forschungsgruppe Kunst hat sich mit der Installation "Fallen Garden" beteiligt. Sie beschäftigt sich damit, dass in der Südstadt 30 Parzellen einer 50 Jahre bestehenden Kleingartenanlage für das Baugebiet Groter Pohl weichen mussten. Auf einem auf dem Kirchenboden angelegten Beet haben die Mitglieder der Künstlergruppe auf beleuchteten Obstkisten Fotos der verlassenen und durch Vandalen verwüsteten Gärten installiert. Dazwischen liegt ein gemeuchelter Gartenzwerg.

Öffnungszeiten
Galerie: Di, Do und Fr 13 bis 18 Uhr, Mi 15 bis 20 Uhr, Sa 12 bis 16 Uhr; Petrikirche: Mo bis Sa 10 bis 18 Uhr, So 12 bis 18 Uhr

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