Verbeamtung : Junge Lehrer zieht es nach Rostock

Ist jetzt verbeamtet auf Probe: Studienrätin Anja Tammer (38) aus Rostock
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Ist jetzt verbeamtet auf Probe: Studienrätin Anja Tammer (38) aus Rostock

Ab kommendem Schuljahr werden Pädagogen bis 40 Jahre in Mecklenburg-Vorpommern verbeamtet. Erste Urkunden überreicht

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09. Juli 2014, 10:00 Uhr

Sie ist zurück in die Hansestadt gekommen: Anja Tammer. Die Rostockerin hat in Berlin studiert und in Nordrhein-Westfalen ihr Referendariat gemacht. „Als ich gehört habe, dass Mecklenburg-Vorpommern die Verbeamtung einführt, habe ich mich beworben“, sagt die 38-Jährige. Sie hatte Glück, denn die Berufliche Schule Wirtschaft in Schmarl hat sie mit ihren Fächern Deutsch und Philosophie genommen. Nun wurde Tammer am Erasmus-Gymnasium zum 1. August auf Probe verbeamtet.

Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) nahm gestern in Rostock rund 200 Pädagogen den Amtseid ab und überreichte die Ernennungsurkunden. Bis Donnerstag sollen insgesamt 672 der landesweit 10 500 Lehrer in das Beamtenverhältnis übernommen werden. Den sicheren Status erhalten aber nur Lehrer bis 40 Jahre.

„Das neue Gesetz ist ein Bekenntnis des Landes zu seinen Lehrern“, sagte Schulamtsleiterin Karin Kunze. Brodkorb spricht von einem „historischen Tag“. Auf 650 ausgeschriebene Stellen seien 1700 Bewerbungen eingegangen – sogar aus Peking und Südafrika. Vor etwa drei Jahren seien laut Brodkorb 170 Stellen ausgeschrieben worden, von denen nur 140 besetzt werden konnten.

Die Verbeamtungen gehören zu einem 50 Millionen-Paket, mit dem die Landesregierung den Lehrerberuf attraktiver machen und vor allem junge Pädagogen in den Nordosten locken will. Nur noch Berlin und Sachsen verbeamten ihre Lehrer nicht.

Ob die Verbeamtung noch zeitgemäß ist? „Unbedingt, Beamte verpflichten sich mit vollem Einsatz dem Gemeinwohl“, sagt Brodkorb. Es gehe um das Überleben des Landes. Auch angestellte Lehrer sollen nicht zu kurz kommen: „Ab kommendem Schuljahr erhalten Lehrer innerhalb der Sekundarstufe I zehn Prozent mehr Gehalt“, sagt Brodkorb.

Die jungen Pädagogen freuen sich über mehr Sicherheit, reflektieren aber auch: „Ich kann mir vorstellen, dass einige Kollegen über 40 etwas neidisch sind“, sagt Christina Haase. Die 34-jährige Sonderschullehrerin wurde an der Grundschule Broderstorf auf Probe verbeamtet. Bei Anja Tammer jedenfalls hat das neue Gesetz gefruchtet: „Ich will auf Dauer in Rostock bleiben“, sagt die Studienrätin.

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