Jugendliche gestehen Messerattacke

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11. November 2010, 07:39 Uhr

Rostock | Der Prozess um eine Messerattacke an der Straßenbahnhaltestelle in der Langen Straße hat gestern Morgen mit Geständnissen der Angeklagten begonnen. Drei junge Männer im Alter von 18, 20 und 22 Jahren müssen sich vor dem Rostocker Landgericht wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten - der 18- und der 22-Jährige zusätzlich wegen versuchten Totschlags.

Am 26. Mai gegen 22.45 Uhr gingen Tom R. (18), Thomas Sch. (22) und Marko K. (20) nach einem ausgiebigen Trinkgelage und zusätzlichem Drogenkonsum an die Straßenbahnhaltestelle in der Langen Straße. "Was guckst du so blöd", pöbelte Thomas Sch. einen Passanten an. Dann stiegen die drei Angeklagten in die Straßenbahn Richtung Kröpeliner Tor. Im Vorbeifahren zeigte der Passant ihnen mit beiden Händen den Mittelfinger. Daraufhin entschlossen sie sich, wieder auszusteigen und den Mann und seine Begleitung "aufzumischen". Wenn sie darunter auch nur eine Prügelei verstanden, wie Marko K. gestern erklärte, so steckte Thomas Sch. doch schon in der Straßenbahn seinem Kumpel Tom R. ein Messer zu. Bei dem erneuten Zusammentreffen der Kontrahenten erhielt Benjamin Q. (21), das spätere Opfer, zuerst einige Schläge und wurde ins Gleisbett gestoßen. Dann setzte Tom R. ihm das Messer an den Hals. So standen sie nach Darlegungen der Angeklagten etwa fünf Minuten. Erst danach zog der 18-Jährige das Messer quer über den Hals des Opfers. Er fügte ihm eine große Schnittwunde zu, die die Halsschlagader um nur einen halben Zentimeter verfehlte. Zu dieser Tat habe ihn Thomas Sch. aufgefordert. Er habe nicht die Absicht gehabt, den Passanten zu verletzen, sagte Tom R. "Los, weg hier", rief er danach seinen Kumpanen zu. Sie sprangen in die nächste Straßenbahn und tauschten dort ihre Jacken.

Etwas anders schilderte Thomas Sch. die Ereignisse. Tom R. hätte sein Messer schon in der Straßenbahn haben wollen. "Ich habe ihn nicht zu der Tat aufgefordert", sagte er. Und Marko K. gab an, dass er überhaupt nichts von einem Messereinsatz mitbekommen habe. "Ich war nur auf Schlagen aus". Thomas Sch. habe er an dem Abend zum ersten Mal gesehen. Seine Aufforderung: "Nun mach schon, was du erst gesagt hast", habe ihm gegolten. Er habe sich auch noch mit ihm deswegen in der Wolle gehabt. "Eigentlich wollte ich gar nicht schlagen". Das anschließende Weglaufen und der Jackentausch half den Angeklagten überhaupt nichts. Auf den Aufnahmen der Überwachungskameras an der Haltestelle und in der Straßenbahn waren sie deutlich zu erkennen. So konnte ihre Festnahme noch in der Nacht erfolgen. Alle drei nehmen seit Jahren illegale Drogen und Alkohol in erheblichen Mengen zu sich. Keiner von ihnen hat einen Berufsabschluss. Sie befinden sich seit sechs Monaten in Untersuchungshaft. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

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