zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. November 2017 | 21:40 Uhr

Jubiläumstörn zu den Wurzeln

vom

svz.de von
erstellt am 13.Feb.2013 | 09:16 Uhr

Rostock | Im Museumshafen Hamburg-Övelgönne an der Norderelbe ist die Winterruhe trügerisch. Auf dem hier fest vertäuten Dampfeisbrecher "Stettin" herrschte voriges Wochenende geschäftiges Treiben. Die Marinekameradschaft Bonn hatte zu einem zusätzlichen Arbeitseinsatz gerufen. Die Rheinländer, die mit ihrer Traditionsvereinigung dem Förderverein des Dampfers angehören, zogen diese Winterarbeit dem närrischen Treiben in den heimischen Gefilden vor. Die Faszination des kohlebefeuerten Dampfers hat sie ebenso gepackt wie einige Rostocker. So auch Horst Matzkuhn und Dieter Haase, Kapitäne des Museumsschiffes, oder den einstigen DSR-Lehrbootsmann Manfred Bischoff, der gerade erst wieder drei Wochen als Verwalter den Winterbetrieb des Schiffes absicherte.

Damit im Maschinenraum die Dampfmaschine arbeiten kann, die Heizer mit zwei riesigen Kesseln Dampf erzeugen und per Hand bis zu 1500 Kilo Kohle in den sechs Feuern pro Stunde verbrennen können, ist vorbeugende Instandhaltung angesagt. Die vielen kleinen Reparatur-, Ertüchtigungs- und Verschönerungsarbeiten seien sehr wichtig, um den Dampfeisbrecher weiter in Fahrt zu halten, erklären Dieter Haase und Horst Matzkuhn. Zumal in diesem Jahr ein Jubiläum perfekte Organisation erfordert.


1933 Stapellauf unter deutscher Flagge

Der Dampfer wird 80 und geht im Sommer auf Jubiläumstörn zu seinen Wurzeln nach Stettin. Auf den Oderwerken war das Schiff im November 1933 als bis dahin größter Eisbrecher unter deutscher Flagge in Dienst gestellt worden. Zum dritten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg besucht der Dampfer nun seine alte Heimat. 1997, beim ersten Törn, stand bereits Dieter Haase mit im Ruderhaus, 2006 war dann auch Horst Matzkuhn dabei. Dieter Haase, der von 1960 bis 1990 zur See fuhr beziehungsweise zwischenzeitlich im Rostocker Hafen tätig war, gehört seit 1996 dem Förderverein des Museumsschiffes an. Er war als Steuermann und Kapitän bis 2005 im Einsatz und besorgte in den Jahren danach in Zusammenarbeit mit dem Hanse-Sail-Verein in Rostock den Ticketverkauf für Fahrten des Dampfers und traf Vorkehrungen für die Anläufe in den heimischen Häfen. Dieter Haase (74) hat Horst Matzkuhn praktisch für sich als Nachfolger geworben.

Als der gebürtige Stettiner, der 19 Jahre bei der Marine und 20 Jahre bei der Hochseefischerei tätig war, sich vor zwölf Jahren den Dampfer während der Hanse Sail näher anschaute, lud ihn Haase auf die Brücke. Nicht ganz ohne Hintergedanken, denn er hatte für die nächste Fahrt noch keinen Steuermann und fand ihn mit Horst Matzkuhn.

Seit 2001 ist der inzwischen 76-jährige Horst Matzkuhn einer der elf ehrenamtlichen Nautiker, die auf dem Schiff ihren Dienst leisten. Die ersten fünf Jahre fuhr er als Steuermann, seit 2005 als Kapitän. Der Jubiläumstörn nach Stettin, wo er neben dem einstigen "Europa"-Nautiker Uwe Steinke auf der Brücke sein wird, soll aber sein letzter großer Einsatz in der Schiffsführung des Dampfers sein.

Für die große Fahrt zum Finale der Tall Ship Races an der Oder laufen längst die Vorkehrungen auf Hochtouren. Etappen dieser Reise sind Rostock-Sassnitz (1. August), Sassnitz-Swinemünde (2. August) sowie Swinemünde-Stettin (3. August). Bis zum 6. August geht es dann in drei Tagestörns wieder zurück. Eine logistische Herausforderung, wie die Kapitäne betonen, denn der Zeitplan ist eng. 50 bis 100 Tonnen Kohle sind zu bunkern. Das Schiff muss mehrfach Proviant nehmen, damit die Gäste auf der Überfahrt und den folgenden Tagestörns immer gut versorgt sind. Für 90 Gäste ist das Schiff bei Fahrten über See zugelassen, für 185 beispielsweise für Ausfahrten zur Hanse Sail. Reiseveranstalter für die Jubiläumsreise der "Stettin" nach Stettin, wo vom 3. bis 6. August die Tall Ship Races von Aarhus kommend enden, ist Globetrotter.

Horst Matzkuhn und Dieter Haase hoffen, dass alles bestens klappt. Bei der Hanse Sail, die dann von Stettin aus angesteuert wird, ist der Dampfer wie die Schonerbrigg "Greif" von Beginn an immer dabei, in Rostock inzwischen schon zum 24. Mal. Seine unverwechselbare Dampfpfeife dürfte auch 2013 nicht zu überhören, seine Rauchfahne auf der Warnow nicht zu übersehen sein. Die Feuerwerks-Ausfahrt ist zwar ausgebucht, für weitere Fahrten sind aber noch Tickets zu haben.

Seit 1982 ist die "Stettin" ein technisches Kulturdenkmal und wird im Sommer für Gästefahrten unter Dampf gehalten. Eigner und Reeder des letzten kohlebefeuerten, dampfgetriebenen, seegehenden Eisbrechers ist der Förderverein Eisbrecher "Stettin", dem insgesamt etwa 700 Mitglieder angehören, von denen sich rund 100 aktiv und ehrenamtlich an den Vereinsaufgaben beteiligen.

Saison beginnt mit Hamburger Hafengeburtstag

Von dem Oldtimer, den Dampfschiffsfreunde in Hamburg 1981 vor dem Weg in die Schrottwerft bewahrten, wird dem Rostocker der Abschied nicht leicht fallen. Zunächst aber ist die Saison mit dem Jubiläumstörn vorzubereiten. Es liegt genug Winterarbeit auch für die beiden Rostocker Kapitäne an.

Die Saison des Dampfeisbrechers beginnt traditionell in diesem Jahr mit dem Hamburger Hafengeburtstag vom 9. bis 12. Mai. Es folgen zu Pfingsten Fahrten auf der Elbe und dem Nord-Ostsee-Kanal. Die Kieler Woche, das Flensburger Dampf-Rundum und ein Törn nach Borkum sind weitere Saisonziele, ehe es am 31. Juli von Kiel nach Rostock und von hier am 1. August gleich weiter über Sassnitz zu den Wurzeln nach Stettin und zurück zur Hanse Sail geht.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen