Juan Pablo hat den neuen Papst schon live erlebt

Die Wahl von Franziskus I. ist für Juan Pablo Olivera eine riesige Überraschung. geos
Die Wahl von Franziskus I. ist für Juan Pablo Olivera eine riesige Überraschung. geos

svz.de von
14. März 2013, 07:07 Uhr

Rostock | Als ihn am Mittwochabend die SMS "Habemus Papam" seines Rostocker Gastvaters erreichte, traute Juan Pablo Olivera seinen Augen kaum. "Ich dachte erst, es wäre ein Scherz", sagt der 18-Jährige. Dass die Kardinäle in Rom tatsächlich seinen argentinischen Landsmann zum ersten nicht-europäischen Papst gewählt haben, ist für den Gastschüler der Don-Bosco-Schule eine große Überraschung. Immerhin habe dieser vor dem Konklave überhaupt nicht zu den Favoriten gezählt. "Meine ganze Familie und alle meine Freunde können es noch gar nicht richtig glauben", sagt Juan Pablo. Die Freude zu Hause sei aber riesig, besonders bei den streng gläubigen Eltern.

Er selbst hat den neuen Papst Franziskus I. schon mehrfach live erlebt. Schließlich kommen beide aus Buenos Aires, wo der Ex-Erzbischof der Hauptstadt-Diözese häufig die kleine Schule und Stammkirche von Juan Pablo besuchte. "Das zeigt, dass er sich wirklich um die Menschen kümmert", sagt der Gastschüler. Diese Eigenschaft schätzten die Argentinier besonders an Jorge Mario Bergoglio, wie der bürgerliche Name des neuen Kirchenoberhauptes lautet. Darüber hinaus sei er sehr bescheiden. "Meine Familie denkt, dass er ein guter Papst sein wird", sagt Juan Pablo.

Allerdings gebe es in seiner Heimat auch viele kritische Stimmen. Denn nach wie vor sei die Rolle von Bergoglio während der Militärdiktatur zwischen 1976 und 1983 nicht abschließend geklärt. Mitglieder des Jesuiten-Ordens, die im Gefängnis gefoltert worden waren, werfen ihm vor, sich gegenüber dem Regime nicht für sie eingesetzt zu haben. Damals war Bergoglio als Jesuiten-Provinzial Argentiniens tätig. In anderen Fragen, etwa ob die Ehe zwischen Homosexuellen erlaubt werden solle, habe Bergoglio sich dagegen klar gegen die Regierung positioniert.

Die vielen ungelösten weltweiten Probleme der katholischen Kirche seien jetzt die größte Herausforderung, findet Juan Pablo. Gerade viele Jüngere könnten mit den verkrusteten Strukturen der Institution Kirche nicht viel anfangen und wendeten sich von ihr ab. Das sei auch bei ihm selbst so, obwohl er die Kommunion empfangen habe. "Zum Beispiel verstehe ich nicht, warum ein Priester keine Frau haben darf - ich denke, das würde viele Probleme lösen", sagt Juan Pablo. Ob der Neue auf dem heiligen Stuhl solche grundlegenden Änderungen aber tatsächlich angehen werde, bleibe abzuwarten. Denn als Reformer gelte Franziskus I. nicht.

Doch allein die Wahl eines Nicht-Europäers könnte neuen Schwung in die Kirche bringen, findet Juan Pablo. Das sei gerade für ärmere Länder ein wichtiges Signal. Er selbst will sich aber lieber auf seine Leidenschaft konzentrieren: Wenn er Anfang nächsten Jahres wieder in seine Heimat Argentinien reist, dann würde er gerne ein Musikstudium aufnehmen.

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