literatur : Johnson macht Rostock weltbekannt

Tief in die Forschung eingetaucht: Doktorand Paul Onasch (29) erschließt am Computer Schriften, Briefe und Lebensdokumente aus dem Uwe-Johnson-Archiv.
Tief in die Forschung eingetaucht: Doktorand Paul Onasch (29) erschließt am Computer Schriften, Briefe und Lebensdokumente aus dem Uwe-Johnson-Archiv.

Doktorand Paul Onasch träumt von einem öffentlich zugänglichen Museum mit Tonbandaufzeichnungen und der Schreibmaschine des Autors

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07. April 2015, 15:00 Uhr

Ein Uwe-Johnson-Museum mit Tonbandaufzeichnungen, Bildern, Filmen und der Schreibmaschine des Autors – davon träumt Paul Onasch. „Eine öffentlich zugängliche Sammlung ist festes Ziel für die kommenden Jahre“, sagt der 29-jährige Literaturwissenschaftler. Er promoviert zur Zeit an der Univesität Rostock zum Thema „Biblische Diskurse im Prosawerk Uwe Johnsons“. „Ich bin in die Werke des Autors verliebt“, so der Wolgaster.

Entstanden ist seine Leidenschaft im Sommer 2010: „Da habe ich ein Seminar bei Prof. Holger Helbig über Johnsons Roman ,Jahrestage‘ besucht“, sagt Onasch. Mit diesem Werk und den „Mutmassungen über Jakob“ hat sich Johnson in den Kanon der Nachkriegsliteratur eingeschrieben. Der Roman „Zwei Ansichten“ gilt in vielen Ländern als exemplarischer Teil deutscher Teilung.

Für das Johnson-Jahrbuch 21 hat der wissenschaftliche Mitarbeiter selbst einen Beitrag über biblische Verweise in „Das dritte Buch über Achim“ verfasst – dem zweiten veröffentlichten Roman des Autors. „Außerdem war ich Teil der Redaktion und habe so in Absprache mit den Autoren Beiträge redigiert.“

Einer der Herausgeber des Almanachs, der seit 2010 im Auftrag der Johnson-Gesellschaft erscheint, ist Prof. Holger Helbig. Der Inhaber der Johnson-Professur für Neuere Deutsche Literatur hat bereits als Student mit dem Stifter Dr. Ulrich Fries das Jahrbuch begründet. „Eine der größten Herausforderung bei der Entstehung war die Unterbringung zweier Nachrufe“, so Helbig.

Neu an dem Jahrbuch sei, „dass wir auch jüngere Autoren aufgenommen haben, die sich an Johnson richten“, sagt der 49-Jährige, der auch Leiter des Johnson-Archivs und der Arbeitsstelle „Uwe-Johnson-Werkausgabe“ der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Rostock ist. Ihn faszinieren an dem Schriftsteller besonders die Sprachmagie, erzählerische und historische Präzision, ethische Unbestechlichkeit, private Dickköpfigkeit und der wohlwollende Humor. Insgesamt hätten vier Personen verteilt über ein Jahr an dem Einblick in die aktuelle Literaturforschung gearbeitet.

Seit April 2014 entsteht in Rostock eine historisch-kritische Johnson-Werkausgabe. „Das Projekt wird über 24 Jahre mit zirka 8 Millionen Euro unterstützt“, sagt Holger Helbig. Förderer sind die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften sowie das Bildungsministerium. Seit Oktober ist die Forschungsstelle mit fünf Mitarbeitern vollständig.

„Auf einmal kennt die Welt Rostock“, sagt Helbig stolz. Johnson könne für Rostock ein Markenzeichen werden, wie es nur wenige Städte zu bieten hätten. „Es ist ungeheuer schwer, mit Kultur auf einen Standort aufmerksam zu machen, doch mit Johnson geht das“, so der Professor. Zwar gebe es noch einiges zu tun, doch er ist optimistisch: „Schließlich haben wir in fünf Jahren in Der Hansestadt das weltweite Zentrum der Johnson-Forschung aufgebaut.“ Das sei nur mit Unterstützung von Stadt und Uni gelungen.

Auch Doktorand Paul Onasch bleibt Johnson verbunden: „Ich möchte die Forschung mit meiner Ausbildung zum Gymnasiallehrer verbinden und an einer Uni forschen und lehren.“

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