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Norddeutsche Neueste Nachrichten

18. Oktober 2017 | 00:34 Uhr

Brecht-Enkelin : Johanna Schall zurück in Rostock

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Regisseurin, ehemalige Schauspieldirektorin und Brecht-Enkelin inszeniert Weill-Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“.

von
erstellt am 05.Feb.2015 | 12:00 Uhr

Johanna Schall kehrt für eine Produktion nach Rostock zurück. Die Regisseurin wird am Volkstheater die Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ inszenieren. Der Text dazu stammt von Bertolt Brecht, ihrem Großvater. Premiere feiert das Stück am 28. Februar. Die Proben dafür laufen bereits.

„Es ist ein witziges, bösartiges und höchst unterhaltsames musikalisches Wunderwerk über den Preis der Begierde und die Macht des Geldes“, sagt Schall. Die Handlung: Leokadja Begbick, Willy der „Prokurist“ und Dreieinigkeitsmoses – ein Gauner-Trio auf der Flucht – wollen eigentlich an die Küste. Dort wurde Gold entdeckt und sie wollen ihren Teil davon einstreichen. Doch dann bleiben sie mit ihrem Wagen am Rand der Wüste liegen. Was tun? Die drei beschließen, eine Stadt zu gründen. Dort wollen sie in Bars und Bordellen den heimreisenden Schürfern ihr Gold abnehmen. Das Konzept geht auf. Die ersten Siedler kommen. Unter ihnen ist auch Jenny mit ihren Mädchen, die sich den Männern von Mahagonny anbieten wollen. Außerdem kommt Holzfäller Paul mit seinen Freunden. Zunächst scheint alles reibungslos zu laufen. Doch dann zieht ein Hurrikan auf – und auch unter den Bewohnern Mahagonnys wird einiges aufgewirbelt.

Johanna Schall inszeniert dieses Stück nun an ihrer alten Wirkungsstätte. Von 2002 bis 2007 war sie Schauspieldirektorin am Rostocker Volkstheater. „Ich war in den letzten Jahren immer wieder Rostock-Besucher“, sagt die gebürtige Berlinerin, „mal für eine Inszenierung am Schauspiel, einige Male für Arbeiten an der Hochschule für Musik und Theater und immer wieder, um Freunde zu besuchen.“ Dabei hat die freischaffende Regisseurin auch die kulturpolitische Entwicklung der Hansestadt und Mecklenburg-Vorpommerns im Blick behalten. „Bei jeder Wiederkehr begegne ich zwei widersprüchlichen Gefühlen: der Freude der Heimkehr, aber auch dem fast schon angeödeten Schrecken, wenn ich über die immer gleichen, doch deutlich heftiger werdenden, demütigenden Angriffe, Eingriffe und Übergriffe auf das Theater, auf Kunst und Kultur durch Teile der Politik lesen muss.“ Diskussionen über Einsparungen, Spartenschließungen und Entlassungen verdrängten dabei Debatten über den Wert von Theater und Kunst sowie deren Notwendigkeit für das menschliche Zusammenleben. „Viel harsche Kritik und Verachtung, wenig Unterstützung und Zuneigung – aus anderen Städten kenne ich das auch anders“, sagt Schall.

Die Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ wird sich eignen, um den Wert des Geldes und seinen Einfluss – im Spannungsfeld zwischen Haben und Nichthaben – auf die Gesellschaft zu beleuchten. Denn das 1927/28 geschriebene Stück thematisiert mit ungebrochener Aktualität die Auswüchse eines Gefüges, in dem das Monetäre über die Vernunft regiert. Das Rostocker Publikum darf gespannt sein, was Regisseurin Johanna Schall daraus macht.

 

Premiere: Sonnabend, 28. Februar, 19.30 Uhr, Großer Saal, Volkstheater

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