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11. Dezember 2017 | 03:12 Uhr

Jörg Westphal, Dauerkomparse

vom

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erstellt am 23.Aug.2013 | 06:19 Uhr

Warnemünde | Morgen Abend wird es wieder spannend im Fernsehen. Dann ermitteln Alexander Bukow und Katrin König alias Charly Hübner und Anneke Kim Sarnau im Rostocker Polizeiruf "Zwischen den Welten". Dieses Mal ist das Duo dem Mörder einer jungen Jurastudentin auf der Spur. Die Leiche wurde in einem Waldstück bei Rostock entdeckt. Daneben: Die Tochter der Toten. Sie hat das Unglück überlebt. Doch sie schweigt.

Wenn Jörg Westphal morgen im Ersten reinzappt, achtet er gar nicht so sehr auf die Handlung. Er guckt in den Hintergrund, er guckt auf die Komparsen. Denn Westphal ist einer von ihnen. Regelmäßig spielt er als Polizist im Polizeiruf mit. Er gehört zu den "Special-Komparsen", zu denen, die immer wieder für die gleiche Rolle gebucht werden. "Im Film wird mit Klischees gearbeitet. Jörg hat die Ausstrahlung und die Statur eines Polizisten. Er macht einen stattlichen Eindruck", sagt Detlev Bonnekoh. Der Leiter der Agentur Nordlicht-Cast betreut Westphal seit rund vier Jahren. Er hat ihm schon viele Rollen vermittelt, unter anderem für die Dora Heldt-Verfilmung "Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt". Dort hat Westphal einen Urlauber gespielt, war sowohl in einer Lobby-, als auch in einer Strandszene zu sehen.

Insgesamt hat Bonnekoh etwa 2500 Komparsen und Kleindarsteller in seiner Kartei. Sobald er von einer Produktionsfirma engagiert wird, sucht er nach der passenden Besetzung. Bei den Dreharbeiten ist Bonnekoh meist mit vor Ort. "Ich will sehen, ob meine Komparsen gut behandelt werden." Für diesen Einsatz haben er und seine Kollegen vom Polizeiruf-Organisationsteam in diesem Jahr den "Hoffnungsschimmer"-Preis auf der Berlinale abgesahnt. Dieser wird vergeben, wenn am Drehort faire Produktionsbedingungen herrschen. "Das ist mir ganz wichtig. Die Komparsen kommen mit den Darstellern in Kontakt, dürfen bei den Dreharbeiten dabei sein, sich am Buffet bedienen. Sie sollen sich wohl fühlen."

Westphal fühlt sich wohl. Durch seinen kontinuierlichen Einsatz gehört er fast schon zum Polizeiruf dazu. "Dieser Job ist so interessant, weil er nichts mit meinem Alltag zu tun hat. Es ist spannend hinter die Kulissen zu schauen. Ein Zehn-Stunden-Tag am Set geht schnell vorbei", erzählt er.

Mit Leuten wie Jörg Westphal, der im wahren Leben Seenotretter ist, arbeitet Bonnekoh gerne zusammen. "Den kann ich immer anrufen - auch kurzfristig. Er nimmt sich Zeit."

Bonnekoh selbst arbeitet seit 35 Jahren in dem Business. "Ich war für die Sicherheit der Musiker am Set zuständig. Im Filmgeschäft nennt man die Leute "Blocker". Ich war begeistert von dem Flair, fand die Arbeit spannend." Zwei Jahre später arbeitete er als Produktionsleiter für Fernsehsender. Eine zufällige Begegnung mit Actionregisseur Hermann Joha brachte ihn ins Filmgeschäft. Vor sieben Jahren zog er nach Rostock und wollte eigentlich nur noch Wassersportlehrer sein, Segel- und Surfkurse geben. "Dann kam ein Anruf von einer Produktionsfirma. Die wollten auf Rügen drehen und haben einen Organisator gebraucht", erzählt Bonnekoh. Seit dem ist der Inhaber von Nordlicht-Cast wieder voll im Geschäft.

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