Jetzt taut´s: Eiszeit weicht dem Sand

<strong>Mit dem Bagger </strong>zerlegt Spicek Jamarcik die Eiswelt in ihre Einzelteile. Die Eisblöcke werden auf den Hof gefahren und können dort in Ruhe schmelzen. <fotos>clla</fotos>
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Mit dem Bagger zerlegt Spicek Jamarcik die Eiswelt in ihre Einzelteile. Die Eisblöcke werden auf den Hof gefahren und können dort in Ruhe schmelzen. clla

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05. März 2013, 12:06 Uhr

Rövershagen | Mit einem lauten "Rumms" fliegen die Eisblöcke zu Boden. Stück für Stück frisst sich der Bagger durch die frostige Kulisse. Was seit dem 21. Dezember und noch am Vorabend eine beeindruckende Eisbar war, liegt jetzt in Trümmern. Othmar Schiffer-Belz bleibt bei dem Anblick gelassen. "Alles Schöne ist eben vergänglich", sagt der Künstler- und Gästebetreuer der Eiszeiten bei Karls Erlebnis-Dorf in Rövershagen. Passend dazu kratzt er einen Spruch von Lewis Carroll von einer Eiswand ab: "Ich kann nicht ins Gestern zurück..." hat der Autor von Alice im Wunderland einst geschrieben.

Dem versierten Auf- und Abbauteam unter Leitung von Piotr Pacek blieb nur der gestrige Tag, um die rund 1800 Eisblöcke aus der Halle zu räumen. Es würde über einen Monat dauern, bis die Objekte von allein geschmolzen wären. Doch die Halle wird für den Aufbau der Sandwelt gebraucht, schon heute starten die Vorbereitungen dafür. Währenddessen haben die Arbeiter das ganze Eis - gut 220 Tonnen - auf einem eigenen Abladeplatz auf dem Hof aufgetürmt. "Die Kunst kommt aus dem Wasser und wird wieder dazu", sagt Schiffer-Belz. Denn vom Lagerplatz aus wird das geschmolzene Eis über einen eigenen Graben in die Warnow geleitet. Und die mündet in die Ostsee.

"Wenn sie also im Sommer beim Baden eine kalte Stelle erwischen, ist das vielleicht ein Rest der Eiszeit", macht er einen Scherz, mit dem er schon den Besuchern auf die Frage nach dem Verbleib des Eises antwortete. 125 000 Gäste waren es zur Jubiläums-Schau - ein neuer Rekord. Die Besucher kamen nicht nur aus der Region, sondern aus aller Welt. Das zeigt auch ein Blick ins Gästebuch, in dem sich Einträge von Indern, Amerikanern und Bolivianern neben denen von Franzosen, Holländern und sogar von begeisterten Besuchern aus dem Jemen befinden. "Viele haben gesagt, dass die aktuelle zehnte die bisher schönste Eiszeit war", so Schiffer-Belz. Und diese Kritiker hätten den Vergleich, denn viele kommen jedes Jahr. "Deshalb können wir auch nicht auf die Eis-Rutsche verzichten", sagt der 65-Jährige. "Denn das habe ich den Kindern bei der ersten Eiszeit versprochen, dass es die immer wieder geben wird."

Natürlich sei jedes Jahr ein anderes Motto an der Reihe. Beim Team können sich Schiffer-Belz und Robert Dahl, Chef des Erlebnis-Dorfs, aber auf eine eingespielte Mannschaft verlassen. "Es sind rund 20 Mitarbeiter, die mit der Eiszeit beschäftigt sind", sagt Schiffer-Belz. Schließlich gehöre auch eine Eislaufbahn mit zum Winterprogramm. Rund 2600 Ausleihen hätte der Schlittschuh-Stand in dieser Saison zu verzeichnen gehabt. Nicht nur leihweise haben sich einige Gäste einen Teil der Erdbeerwunderland-Eiszeit gesichert. "Wir hatten einige Besucher, die vorher gefragt und sich am Sonntagabend in der Kühltasche eine Erdbeere abgeholt haben", berichtet Schiffer-Belz.

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