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Teddy-Krankenhaus : Jeder Patient geht gesund nach Hause

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Seit gestern ist wieder Sprechstunde bei den Teddy-Docs in der Rostocker Uniklinik. Eine Woche lang werden hier Plüsch-Patienten behandelt.

von
erstellt am 20.Mai.2014 | 06:00 Uhr

„Der Nächste, bitte“, heißt es seit gestern wieder im Rostocker Simulationsanlage- und Notfallausbildungszentrum. Dort behandeln Medizinstudentin Katrin Kaltenecker und ihre Mitstreiter noch bis Sonnabend plüschige Patienten im Teddybär-Krankenhaus. Der dreijährige Niklas lernte gestern, dass ein Arztbesuch gar nicht so schlimm ist – selbst wenn es mal eine Spritze gibt.

Fest umklammert hält Nela ihre Puppe  im Arm und setzt eine ernste Miene auf. „Krümel hat große Zahnschmerzen“, sagt die Fünfjährige. Und sie weiß genau, was jetzt zu tun ist: Krümel muss zum Arzt. Seit gestern hat das Teddybär-Krankenhaus am Rostocker Simulationsanlage- und Notfallausbildungszentrum  (Rosana) geöffnet. Eine Woche lang stehen Medizin- und Zahnmedizinstudenten der Uni Rostock dort bereit, um  plüschige Patienten zu versorgen.

Genau wie in einer richtigen Sprechstunde muss Nela   am Empfang zunächst die Krankenkassenkarte ihrer Puppe abgeben. Name, Symptome und Allergien werden notiert und dann heißt es warten. Wenige Minuten später ist Obärärztin Katrin Kaltenecker zur Stelle, die sich zu Nela herunterbeugt und sie fragt, was mit Krümel los sei. „Sie hat Zahnschmerzen“, sagt Nela etwas schüchtern und fügt nach einer kurzen Pause hinzu: „Und Fieber hat sie auch.“ Katrin Kaltenecker nimmt Nelas Hand und begleitet sie ins Behandlungszimmer. „Wir müssen Krümel erst einmal gründlich untersuchen“, erklärt sie Nela.

Auf dem Behandlungstisch liegen in einer Nierenschale  Spritzen, Pflaster und Verbandszeug. Doch bevor etwas davon zum Einsatz kommt, wird Krümels allgemeiner Gesundheitszustand überprüft. Katrin Kaltenecker holt ein Stethoskop aus ihrem Arztkittel und fragt Nela, ob sie so etwas schon mal gesehen habe. Nela schüttelt den Kopf. „Damit kann ich das Herz schlagen hören“, sagt die angehende Ärztin, die im zehnten Semester  studiert. Seit zwei Jahren gehört sie zum 20-köpfigen Projektteam, das das Teddybär-Krankenhaus leitet. „Die Kinder lernen bei uns, dass ein Arztbesuch gar nicht schlimm ist“, sagt die 26-Jährige, die Urologin werden will. Heute ist sie jedoch gleichzeitig als Lehrerin und Fachärztin für Stofftierheilkunde im Einsatz. Sie  legt Nela das Stethoskop um, die  plötzlich ihr eigenes Herz schlagen hört. Die Fünfjährige lächelt und will nun auch ihre Puppe abhören. „Da ist alles in Ordnung“, sagt Nela.  Weil Krümel  jedoch  Zahnschmerzen hat, erklärt die Medizinstudentin, müsse sie weiter zum Zahnarzt.

Die Kinder, die in das Teddybär-Krankenhaus kommen, denken sich selbst aus, was ihre Lieblinge für Krankheiten haben. Im Warteraum sitzen Schildkröten mit angeknackstem Panzer, Haie mit abgebrochenen Zähnen und Bären mit abgerissenen Gliedmaßen. „Immer häufiger kommen auch schwangere Plüschpatienten zu uns“, sagt der Rosana-Leiter Dr. Gernot Rücker. Egal mit welchen Beschwerden die Kinder mit ihren Stofftieren kommen, am Ende  gehen alle Patienten wieder gesund nach Hause.  „Es ist  auch schon vorgekommen, dass Kinder mit  Kuscheltieren kommen, die Krebs haben“, sagt Martin Stremme, der ebenfalls zum Projektteam gehört. Dann sei Feingefühl gefragt. Die angehenden Ärzte müssen den Kindern in einem solchen Fall erklären, dass Krebs eine ernste Krankheit sei, die sehr intensiv behandelt werden müsse.  „Bei uns ist alles möglich“, sagt Katrin Kaltenecker. Und natürlich wird auch Puppe Krümel von ihren Zahnschmerzen befreit. Dazu gibt es noch eine Belehrung zum richtigen Zähneputzen. So glimpflich wie Krümel kommt  Bär Puuh an diesem Tag nicht davon. Er muss wegen eines abgerissenen Ohres in den OP. Begleitet wird er von  Niklas, der ganz genau zuschaut, wie die Studentin Christina Hoffmann seinen Bären erst in Narkose versetzt und ihm dann das Ohr wieder annäht. Als alles vorbei ist, strahlt der Dreijährige bis über beide Ohren.

Nach der  Behandlung ihrer Lieblinge geht es für Niklas und  Nela in die Apotheke, wo sie eine Tapferkeitsurkunde und einen Beutel mit Medizin bekommen. Zum Abschluss warten dann noch Tassilo Müller-Graff und Alexandra Rivera Luna auf die Kinder, die ihnen mit Handpuppen erklären, weshalb Hygiene   so wichtig ist.

Dana Bethkenhagen

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