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21. November 2017 | 02:11 Uhr

Jeder fünfte Arbeitslose fällt direkt in Hartz IV

vom

svz.de von
erstellt am 16.Apr.2012 | 09:08 Uhr

Schwerin | Nach dem Job direkt in die Sozialhilfe: Die hohen Zugangshürden für die Arbeitslosenversicherung haben in MV etwa jeden fünften Erwerbslosen, der 2011 seinen Job verlor, ums Arbeitslosengeld gebracht und sofort ins Hartz-IV-System gedrängt - 16 080 von 89 280 Menschen, im Nordosten trotz guter Konjunktur entlassen wurden, teilte die Landesarbeitsagentur gestern mit. Allerdings ist das Hartz-IV-Risiko für Beschäftigte in MV niedriger als im Schnitt der neuen Länder. Zwischen Rügen und Fichtelberg war jeder dritte, bundesweit jeder vierte Beschäftigte unmittelbar nach dem Jobverlust auf Sozialhilfe angewiesen, ermittelte Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB).

Die Not wird größer: Vor vier Jahren mussten in den neuen Ländern nur 23,4 Prozent der Arbeitslose direkt nach dem Jobverlust mit Sozialhilfe auskommen, weil sie innerhalb der letzten 24 Monate nicht zwölf Monate lang beschäftigt waren und damit Anspruch auf Hilfe hätten. Selbst für Bezieher von Arbeitslosengeld reicht es nicht. Fast jeder zehnte Erwerbslose erhalte so geringe Leistungen, dass er ergänzend Hartz-IV beantragen müsse, erklärte DGB-Arbeitsmarktexperte Wilhelm Adamy. Besonders hart traf es Beschäftigte im Gastgewerbe, in Leiharbeitsfirmen, im Handels- und Reparatursektor. In den Bereichen nahm das Hartz-IV-Risiko für die Beschäftigten seit 2008 um bis zu 44 Prozent zu.

Der DGB in MV sieht Reformbedarf: Das System müsse armutsfest gemacht und die das Hartz-IV-Risiko fördernden befristeten Arbeitsverhältnisse, Leiharbeit und Niedriglöhne eingeschränkt werden, forderte DGB-Sprecher Helmut Uder. Nach den 2006 verschärften Zugangsvoraussetzungen für Arbeitslosengeld, müssten die hohen Eintrittsbarrieren wieder verringert werden. Unterstützung bei SPD und Linkspartei: Kurzfristig Beschäftigte sollten schon nach sechs Monaten Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung beziehen, sagte Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) gestern: "Gerade in Mecklenburg-Vorpommern, wo viele Menschen in saisonbedingten Arbeitsverhältnissen beschäftigt sind, kann es nicht sein, dass jemand der den Sommer über harte Arbeit geleistet hat, im Fall der Arbeitslosigkeit sofort in Hartz-IV rutscht." Die Hürden bei seien zu hoch, kritisierte Henning Foerster Linken-Landtagsfraktion und plädierte ebenfalls dafür, die Anspruchsfrist auf sechs Monaten abzusenken. Viele Saisonkräfte im Tourismus und in der Landwirtschaft könnten die Auflage von zwölf Monaten nicht erfüllen.

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