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Lachyoga in Rostock : Jede Körperzelle ist voll gut drauf

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Ilona Bergmann gibt Yogaseminare, bei denen es vor allem um eins geht: Lachend den inneren Denker zu verscheuchen und mal wieder richtig kindisch zu sein.

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erstellt am 30.Jun.2017 | 12:00 Uhr

Für Fredy Pathenheimer beginnt jeder Tag mit einem Blick in den Spiegel. Der Rentner schaut ganz genau hin, begutachtet jede Falte, die sich in sein Gesicht gegraben hat – es sind die Spuren eines 85-jährigen Lebens. „Jede Zelle meines Körpers ist glücklich“, Fredy spricht die Worte mit Bedacht: „Jede Körperzelle fühlt sich wohl.“ Er grinst in den Spiegel und mit jeder Wiederholung des Mantras ist er „voll gut drauf“. Fredy Pathenheimers Einstellung gegenüber sich selbst und seiner Umgebung hat sich verändert, seit er einen Lachtreff besucht. Jeden Dienstag trifft er im Kolping-Begegnungszentrum in Rostock Gleichgesinnte zum gemeinsamen Lachen.

Lachyoga ist eine ganzheitliche Methode, die mit einfachsten Mitteln natürliche Kräfte mobilisiert. Körperliche und seelische Gesundheit werden genauso gefördert wie mentale Energien. Durch das Lachen wird der Zugang zu Kreativität, Intuition und unbewussten Potenzialen erleichtert. Humor, Kontaktfreude und gegenseitige Akzeptanz werden gestärkt. Indem die Gefühlsebene aktiviert wird, entsteht ein liebevollerer Umgang mit sich selbst und auch mit den Mitmenschen. Jeder kann die Übungen erlernen. Lachyoga wird mittlerweile unter anderem in Schulen, Kliniken, Senioreneinrichtungen, in Firmen und Universitäten angeboten – und das ganz ohne schädliche Nebenwirkungen. Quelle: Lachverband

„Hoho, Haha“, dazu ein rhythmisches Klatschen – die rund 20 Teilnehmer des Kurses tauchen für eine Stunde in eine andere Welt ab. Eine Welt, in der sie noch einmal Kind sein dürfen. Eine Welt, in der sie sich von allen Zwängen lösen. „Auf Außenstehende wirkt das manchmal befremdlich“, weiß Seminarleiterin Ilona Bergmann. Die Yoga-Lehrerin hat das Treffen 2015 ins Leben gerufen. „Wir lachen miteinander, weil Lachen ansteckt. Wir entscheiden selbst, ob wir glücklich oder unglücklich sein wollen. Wer sich für das Glück entscheidet, sollte lachen.“ Gründe, um laut loszuprusten, braucht die Gruppe nicht. Auch Witze oder Comedy-Sketche sind unnötig. „Indem wir miteinander albern sind, lachen wir von ganz alleine.“

Jede von Bergmanns Übungen dauert etwa eine Minute. Anschließend loben sich die Teilnehmer selbst mit einem lauten „Sehr gut, sehr gut – yeah!“. Damit sich die Atmung zwischenzeitlich beruhigt, verknüpft die Kursleiterin ihre Trainingseinheit mit Entspannungsübungen aus dem Yoga. „Wir müssen etwa zehn bis 15 Minuten kontinuierlich lachen, damit wir die positiven Auswirkungen spüren“, erklärt sie. „Das Lachen muss laut sein und aus dem Bauch kommen. Leider wird das von unserer Umwelt nicht immer akzeptiert. Lachclubs ermöglichen einen geschützten Raum, in dem laut und herzlich gelacht werden darf, ohne dass es die Nachbarn stört.“

Entwickelt wurde das Lachyoga 1995 vom indischen Arzt Dr. Madan Kataria und dessen Frau Madhuri. Alles begann mit einer kleinen Gruppe aus fünf Personen. Mittlerweile gibt es rund 6000 Lachtreffs in 100 Ländern. Wer zu Ilona Bergmann kommt, verscheucht zunächst seinen inneren Denker – um frei zu sein, für das, was kommt. „Ich finde Themen für die Stunden. Manchmal lachen wir auch über ernste Dinge, über Krankheiten oder Geldsorgen.“ Schließlich bestehe das Leben nicht nur aus dem Lustigsein. „Jeder Mensch hat Sorgen. Immer. Das können wir nicht ändern. Die Sorgen dürfen nur nicht in uns verhaften. Also lachen wir darüber.“ Regelmäßig in den Kurs zu kommen, würde den Blick auf die Welt verändern. „Wir hören so viel Negatives, leben in einer Leistungsgesellschaft und vergraben unser inneres Kind. Beim Lachyoga können wir Freude und Spaß empfinden und alles andere vergessen.“ Während einer Session bei Ilona Bergmann entfaltet sich nicht nur ein Feuerwerk der Hormone, auch die inneren Organe wie die Lunge und das Zwerchfell werden gestärkt. Darüber hinaus bekommt das Gehirn eine Extra-Dosis Sauerstoff. „Ich bin vom Brustkorb her freier seit ich herkomme“, sagt Christel Beyer. Sie ist seit der ersten Stunde dabei. „Das Schöne ist die Positivität. Wir kennen das aus unserem Alltag: Wenn uns jemand anstrahlt, strahlen wir gerne zurück“, verdeutlicht die Rentnerin. Sie genießt die wöchentliche Begegnung mit den anderen Lachern. „Hier sind alle gleich, es gibt kein Konkurrenzdenken, Alter und Beruf sind egal.“ Bisher ist Ilona-Bergmanns Lachtreff der einzige in Rostock. „Lachen ist bekanntlich die beste Medizin und der Ausdruck eines starken Gefühls von Lebensfreude“, erklärt sie. „Lachen lässt die Lebensenergie wieder frei und führt so zu innerer Kraft, Ausgeglichenheit und Heiterkeit.“

Bei Fredy Pathenheimer funktioniert’s. Der 85-Jährige ist begeistert: „Wir sind eine Gruppe der Herzlichkeit.“ Er lächelt, klatscht in die Hände und singt: „Jede Zelle meines Körpers ist glücklich. Jede Körperzelle fühlt sich wohl.“

 

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