Japke: Hoffnung auf Freiheit erfüllt sich vorerst nicht

Moderator Marcus Japke bei seiner Verhaftung. nonstopnews
Moderator Marcus Japke bei seiner Verhaftung. nonstopnews

svz.de von
13. Juni 2012, 08:39 Uhr

Rostock | Die Hoffnung auf Entlassung aus der Untersuchungshaft erfüllt sich für Marcus Japke vorerst nicht. Beim gestrigen Haftprüfungstermin zogen die Anwälte des wegen des Verdachts des sexuellen Kindesmissbrauchs inhaftierten Radiomoderators ihren Antrag auf Haftprüfung zurück. Zur Begründung sagte Anwalt Norbert Wendorff gegenüber unserer Redaktion: "Wir wollen die weiteren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abwarten." Möglicherweise werde zu einem späteren Zeitpunkt erneut Antrag auf Haftprüfung für seinen Mandanten gestellt, so der Verteidiger.

Zum Termin am Nachmittag beim Ermittlungsrichter am Rostocker Amtsgericht wurde der 39-jährige Japke, der seit zweieinhalb Wochen in Untersuchungshaft sitzt, von den Anwälten Norbert Wendorff und Peter-Michael Diestel begleitet. Nicht dabei war der Hamburger Promi-Anwalt Johann Schwenn, der im vergangenen Jahr den bekannten TV-Wettermoderator Jörg Kachelmann verteidigt hatte, und seit eineinhalb Wochen ebenfalls Marcus Japke vertritt.

Einvernehmlich sei zwischen den Anwälten und ihrem Mandanten entschieden worden, den Antrag zurückzuziehen, sagte Wendorff. Japke wurde nach dem Termin zurück ins Gefängnis Waldeck gefahren.

Die Taktik ist nicht ungewöhnlich. Offensichtlich erhoffen sich die Anwälte von den weiteren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft entlastende Aussagen, mit denen sie bei einer späteren Haftprüfung für die Entlassung ihres Mandanten aus der U-Haft argumentieren können. Hätten die Verteidiger den Antrag gestern allerdings nicht zurückgezogen, und der Ermittlungsrichter hätte gegen ihren Mandanten eine Entscheidung gefällt, wäre ein neuerlicher Antrag erst wieder nach drei Monaten möglich gewesen.

Maureen Wiechmann, Sprecherin der Rostocker Staatsanwatschaft, wollte die Entscheidung der Anwälte nicht kommentieren. Zum Stand der Ermittlungen gegen den Radiomoderator wollte sie ebenfalls keine Angaben machen. "Bevor es keine Anklage gibt, werden wir uns nicht äußern", erklärt Wiechmann. Auch Verteidiger Norbert Wendorff wollte nichts zum laufenden Verfahren selbst sagen.

Marcus Japke wird von der Rostocker Staatsanwaltschaft vorgeworfen, in den Jahren 2005 und 2006 ein zwölf- beziehungsweise dreizehnjähriges Mädchen sexuell missbraucht zu haben. Von mehr als 50 Einzeltaten ist in diesem Zusammenhang die Rede. Am 29. Mai war der Moderator im Rostocker Studio des Privatsenders Ostseewelle verhaftet worden.

Neben Zeugenaussagen, die Japke belasten, soll es nach Informationen unserer Redaktion bislang auch mindestens einen Zeugen geben, der den Beschuldigten mit seiner Aussage entlastet.

Japke selbst machte bisher gegenüber Staatsanwaltschaft und Polizei von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Im privaten Umfeld hätte der Radiomann allerdings immer wieder seine Unschuld beteuert, erzählten Insider. Freunde suchen Erklärungen und sprachen von einer Intrige eines ehemaligen Mitarbeiters im Radio sender Ostseewelle.

Bereits 2008 sei eine anonyme Anzeige mit denselben Vorwürfen aus den Jahren 2005 und 2006 bei der Polizei eingegangen, bestätigte sein Anwalt Wendorff. Damals hätte das vermeintliche Opfer die Frage nach Sex-Kontakten allerdings noch verneint.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen